Politik : „Es grenzt an ein Wunder“

Köhler lobt zur Eröffnung des deutsch-polnischen Jahres die guten Beziehungen

Ruth Ciesinger

Berlin - Für den Bundespräsidenten ist es „eine List der Geschichte“, und Polens Präsident Aleksander Kwasniewski freut sich über die unverhoffte Symbolik, dass auf Johannes Paul II. nun Josef Ratzinger als Oberhaupt der katholischen Kirche gefolgt ist. Wer dieser Tage über Deutsch-Polnisches spricht, der kommt am Papst nicht vorbei. Besonders nicht die beiden Staatsoberhäupter, als sie am Samstag in Berlin das deutsch-polnische Jahr eröffnen.

Horst Köhler beginnt den Festakt im Konzerthaus am Gendarmenmarkt, und er beruft sich auf den alten Papst, als er von den „von Gott gegebenen Nachbarn“ spricht. Doch weil sich die Deutschen in der Vergangenheit oft gar nicht nachbarschaftlich benommen haben, grenze es „an ein Wunder“, dass sich die beiden Länder „noch nie so nahe waren wie heute“. Da sind die Nazigräuel im Zweiten Weltkrieg, die Zeiten, als Polen unter deutscher Beteiligung geteilt wurde oder ganz von der Landkarte verschwand, sowie gerade in den vergangenen Jahren Forderungen der Preußischen Treuhand und Äußerungen von Erika Steinbach, Vorsitzende des Bundes der Vertriebenen, die die Polen arg strapaziert haben. Gerade deshalb ist es jetzt so wichtig, das deutsch-polnische Jahr, betont im Anschluss Kwasniewski: „Es gibt kein besseres Gegengift gegen alte Traumata und gegen jahrelang gehegte und gepflegte Stereotype“.

In den kommenden zwölf Monaten sollen in Deutschland wie in Polen mehr als 1000 Veranstaltungen Vorurteile mit aus der Welt schaffen. Allein in Deutschland planen über 50 Städte Konzerte, Ausstellungen, Theateraufführungen sowie Treffen von Wissenschaftlern und vor allem von Jugendlichen. Auch die beiden nächsten Nachbarn werden einbezogen, mit einer Auto-Rallye von Paris über Berlin nach Warschau und einem deutsch-polnisch-ukrainischen Musikfestival. Kwasniewski betont an diesem Samstag auch, dass sich Deutschland und Polen auch in Europa unterstützen sollten und dort gemeinsam viel voranbringen können. Die „Weiterentwicklung der Ostpolitik der EU sowie der europäischen und reformorientierten Bestrebungen der Ukraine“, sagt er, sollte „Gegenstand der Zusammenarbeit werden“.

Doch der Exkurs auf europäische und internationale Ebene ist auch rasch wieder beendet, heute geht es um Polen und Deutsche. Die Sonderbeauftragte für deutsch-polnische Beziehungen in Warschau, Irena Lipowicz, hat sich erst vor wenigen Tagen gewünscht, dass künftig ein junger Pole sich, wenn er einen Deutschen sieht, über einen guten Nachbarn freut, der ihn versteht – und umgekehrt. Auch Aleksander Kwasniewski sieht wohl in der jungen Generation die größten Chancen. Von der „wahren deutsch-polnischen Versöhnung“, sagt er, würden viele behaupten „ dass sich das nicht machen lässt“. Wer aber von solchen Vorurteilen frei ist, der hat die besten Chancen, doch etwas zu ändern. Kwasniewski empfiehlt deshalb den „jungen Deutschen und den jungen Polen“ sich am besten von Bedenkenträgern und Pessimisten nicht beeindrucken zu lassen, und es – die Versöhnung – „ganz einfach zu machen!“ Das kommt an bei den Zuhörern am Gendarmenmarkt. Am lautesten applaudieren sie dann, als sich die beiden Präsidenten umarmen.

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