Politik : Es grünt nur im Stammland

Hans Monath

Berlin - Den erfreulichsten Trend aus Sicht der Grünen setzten am Sonntag die Wähler in ihrem Stammland Baden- Württemberg. „Glücklich und begeistert“ sei die Partei, „dass der Wähler uns so viel Stimmen gegeben hat“, kommentierte Fraktionschef Winfried Kretschmann den Sprung von unter acht auf fast zwölf Prozent. Parteichefin Claudia Roth nannte das Erreichte gar „ziemlich prall“. Obwohl ihre Partei in Rheinland-Pfalz verloren hatte und auch in Sachsen-Anhalt den Sprung in den Landtag verpasste, zeigte sie sich „zufrieden mit dem Großteil des Ergebnisses“.

Die gute Laune am Wahlabend, nur getrübt durch die Zitterpartie um den Einzug in den Mainzer Landtag, war begründet: Fast alle ihre Wahlziele, vor allem ein zweistelliges Ergebnis und damit die dritte Position in Stuttgart, hatte die Ökopartei erreicht. Tatsächlich waren die Grünen ohne ernsthafte Hoffnung auf eine Regierungsbeteiligung in einem der drei Länder in die Schlussphase des Wahlkampfes gestartet. Kaum ein Grüner rechnete damit, dass sie wieder zur Regierungsbildung gebraucht würden. Die kleinste der drei Oppositionsparteien im Bundestag ist seit dem Scheitern der rot-grünen Regierungen in Kiel und Düsseldorf 2005 in keinem Kabinett mehr vertreten. Und in Berlin muss die Partei nach sieben rot-grünen Jahren die Oppositionsrolle erst mühsam wieder lernen. Weil auch in Baden-Württemberg am Wahlsieg von Günther Oettinger kaum zu rütteln war, bestand fast keine Aussicht, die Schwarz-Grün-Konstellation einmal in einer Landesregierung auszuprobieren. Prominente Grüne hatten diese Option seit der Niederlage bei der Wahl im Herbst offensiv verteidigt.

Traditionell weniger stark sind die Grünen in Rheinland-Pfalz. Vor fünf Jahren hatten sie es gerade noch ins Parlament gerettet. Auch in Sachsen-Anhalt, wo es die Partei noch schwerer hat, reichte es nicht für den Landtagseinzug. Die Grünen hätten dort aber „den Balken nach oben gekriegt“, meinte Claudia Roth mit Blick auf den deutlichen Stimmenzuwachs. Offen ist, ob das Ergebnis des Wahlsonntags das Ankommen der Grünen in der Oppositionsrolle im Bundestag beschleunigen kann. Zumindest psychologisch aber dürfte es der Ökopartei etwas Auftrieb geben.

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