Politik : Es kreist

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Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Der Kreis im Plural hat Konjunktur – zumindest in der gegenwärtigen Berichterstattung über die Koalitionsverhandlungen. In der Geometrie ist ein Kreis ein Gebilde, bei dem alle Punkte von einem festen Mittelpunkt aus den gleichen Abstand haben. In der Sprache der Medien aber steht der berühmte Ausdruck „Kreise“ für Politiker und vor allem für Mitarbeiter von Politikern, die zwar Informationen geben, aber nicht namentlich genannt und identifiziert werden wollen. Weil die Koalitionstreffen zwar eigentlich geheim sind, Teilnehmer der streng abgeschirmten Runden aber trotzdem gerne ihre Sicht der Dinge in den Medien wiederfinden, werden während und nach den Treffen über Mobiltelefon Gespräche geführt oder SMS-Nachrichten gesendet. In der Zeitung steht am nächsten Tag dann: Die Bundesregierung will die Abgabe auf dieses und jenes erhöhen, verlautete aus Koalitionskreisen. Weil die Neugier groß ist, offiziell aber kaum Informationen fließen, ist der Gebrauch der Kreise inzwischen fast inflationär: hieß es in Parteikreisen, erfuhr die Zeitung aus Regierungskreisen usw. Dabei schätzen strenge Journalisten die Wendung wenig, weil sie zum Missbrauch einlädt und nur Insider prüfen können, ob das Gesagte so stimmt. Trotzdem werden auch aus Kreisen-Informationen Nachrichten für Agenturen. Das sieht dann so aus: Wie die in Berlin erscheinende Tageszeitung „Der Tagesspiegel“ (Montagausgabe) berichtet, soll die Länge der im Politikteil erscheinenden Kolumne „Hinter den Linden“ nicht angetastet werden, sondern weiter 40 Zeilen betragen. Diese Nachricht ist belastbar, wie gut informierte Leserkreise gleich bemerken müssten, nämlich – genau in dieser Zeile. Hans Monath

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