Politik : Es muss nicht immer Kaviar sein

Peter Siebenmorgen

Michael Steiner, der außen- und sicherheitspolitische Berater des Bundeskanzlers, gilt als ein Mann mit vielen Gaben. Samtpfötigkeit hat ihm bislang allerdings noch niemand, der mit ihm schon einmal zu tun hatte, nachgesagt.

Auch die Oberfeldwebel K. und P. oder der Oberbootsmann H., die in der Bundeswehr treu und redlich ihren Dienst verrichten, haben wenig Anlaß, Schröders Berater ein Übermaß an Selbstbeherrschung nachzusagen. Denn vor zwei Wochen, am 2. November, ist es zu nächtlicher Stunde auf dem Moskauer Flughafen zu einem überaus heftigen Wortwechsel zwischen den Soldaten und Steiner gekommen - über den sich die drei Bundeswehr-Angehörigen anschließend bei ihrem Dienstherren beschwert haben: Steiner habe den Oberfeldwebel P. mehrfach als "Arschloch" tituliert. Der deutsche Verteidigungsattaché an der Moskauer Botschaft, Oberst Danzer, hat sich die Beschwerde nun zu Eigen gemacht und nach Berlin gemeldet. Ein Disziplinarverfahren und eine Beleidigungsklage gegen Steiner drohen.

Zugetragen hat sich der Vorfall beim Rückflug des Bundeskanzlers von seiner Asienreise Anfang des Monats. Aus Shanghai kommend landet der Luftwaffen-Airbus um 21.40 Uhr Ortszeit in Moskau, um Schröder zu einem Gespräch mit Putin abzusetzen. Dort steht für den Bundeskanzler eine weitere Maschine für die Heimreise nach Berlin bereit; der Airbus für den größten Teil der Delegation muss aufgetankt werden. Aufgrund von Anweisungen des Flughafenpersonals und von russischen Sicherheitskräften verzögert sich diese Prozedur indessen um einige Zeit. Auch muss der Airbus, in dem sich noch der größte Teil der Delegation befindet, auf eine andere Position befördert werden.

Die LuftwaffenCrew tut, wozu sie die russischen Kräfte anhalten. Weitere Verzögerungen stellen sich ein. Die Bundeswehr-Soldaten, die an der Moskauer Botschaft ihren Dienst verrichten, müssen sich Vorwürfe anhören: "Die größte Botschaft ist nicht in der Lage, einen Bundeskanzlerflug zu betreuen!" Und: "Die Bundeswehr ist unfähig, die eigenen Maschinen zu betanken und weiß nicht, mit welchem Kraftstoff die eigenen Maschinen zu betanken sind."

Auch Steiner platzt der Kragen, es geht ihm nicht schnell genug. Von ihm als Scherz gemeint, wie er gegenüber dem Tagesspiegel beteuert, ruft er den Soldaten zu, sie möchten doch Kaviar servieren, wenn man schon zu nächtlicher Stunde solange warten muss.

Oberfeldwebel P. empfindet dies als sonderliches Begehr: "Der Kaviar ist für mich zweitrangig", er habe genug mit der Befolgung der Anweisungen der russischen Sicherheitskräfte zu tun. Nach übereinstimmender Darstellung der drei Soldaten eskaliert die Situation daraufhin; in ihrer dienstlichen Meldung werden sie sich wenige Tage später darüber beschweren, von Steiner vielfach "Arschloch" genannt worden zu sein.

Im Gespräch mit dem Tagesspiegel bekundete Steiner, dass die lange Wartezeit nach einer anstrengenden Asienreise an den Nerven aller Wartenden gezehrt habe. Die Maschine verließ schließlich erst um Mitternacht Moskauer Zeit die russische Hauptstadt.

"Es tut mir leid", so Steiner, wenn er in diesem Zusammenhang Äußerungen getätigt habe, die von den Betroffenen als Beleidigungen aufgefasst worden seien. "Das mit dem Kaviar war wirklich nur als Scherz gemeint. Aber wenn sich jemand von mir beleidigt fühlt, dann lade ich ihn zu einem Kaviarfrühstück - sei es in Berlin oder Moskau - ein, auch wenn Kaviar nicht zu meinen Frühstücksgewohnheiten zählt."

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