Politik : „Es muss rigoros kontrolliert werden“

Karl-Heinz Florenz, EU-Ausschussvorsitzender für Umwelt, über die Ausbreitung der Seuche

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Herr Florenz, wann wird die Vogelgrippe Zentraleuropa erreichen?

Die Zugvögel, die das Virus nach Rumänien und Griechenland geschleppt haben, werden nicht in Mitteleuropa Station machen. Aber am Niederrhein rasten derzeit Millionen von Gänse aus Nord und Osteuropa. Ansonsten kann das Virus mit Tiertransporten wandern.

Wie gut ist Brüssel auf eine Ausbreitung der Vogelgrippe vorbereitet?

Die EU ist in der Gesundheitsfrage nur so gut wie ihre Mitgliedsländer. Diese müssen miteinander kommunizieren und sich absprechen. Aus den Erfahrungen mit der Schweinepest und der Maul- und Klauenseuche hat man viel gelernt. Damals ging es ja drunter und drüber. Die Belgier waren stur, und an der niederländisch-deutschen Grenze redeten die Behörden nicht miteinander. Heute kennt man sich, die Kommunikationswege sind kürzer geworden. Innerhalb der EU ist die Vogelgrippe bisher nur in Griechenland aufgetreten. Es wurde sofort ein Transportverbot für Geflügel verhängt, das war wie eine Quarantäne.

Was würde passieren wenn die Vogelgrippe in den Niederlanden aufträte?

Dann wäre das Land sofort dicht. Da kann man auf die Nationalstaaten keine Rücksicht nehmen. Und dann gäbe es einen Korridor, der auch andere Länder betreffen würde. Der Export von Fleisch und Federn würde strikt unterbunden. In Deutschland müssten die Landräte drastische Entscheidungen treffen, auch gegen die Bevölkerung. Desinfektionssysteme würden in Stellung gebracht. Die Verwaltungen müssten von oben bis unten funktionieren. Brüssel kann Vorgaben machen, die Umsetzung liegt bei den Mitgliedsländern. Die Behörden sollten keine Panik verbreiten, aber wenn etwas beschlossen ist, darf es keine Ausnahmen geben. Als Landwirt weiß ich, was eine Seuche ist. Das geht über Nacht, dann sind die Tiere tot.

Lässt sich allein mit dem Ordnungsrecht eine Seuche eindämmen?

Die Bürger müssen sich natürlich beteiligen. Sie sollten beispielsweise keine Vögel mehr transportieren. Aber es gibt immer Leute, die sich nicht daran halten. Daher muss rigoros kontrolliert werden.

Aus Bayern kam Kritik an den fehlenden gemeinsamen Regelungen in Deutschland.

Die Bundesländer müssen einheitliche Maßnahmen absprechen, das stimmt. Es nützt ja nichts, wenn einer seine Hühner einsperrt, aber der Nachbar im anderen Bundesland lässt seine Tiere frei herumlaufen.

Wie groß ist denn das Risiko, dass das Virus auch auf andere Tiere überspringt?

Davon ist mir bisher nichts bekannt. Aber die Landwirte sind schon vorsichtiger geworden. Ein Bauer hat mir von einem Schlachthof berichtet, wo kein Fahrzeug mehr ohne Desinfektion vom Hof kommt. Wenn einer da mit einem ungewaschenen Auto nach Hause fährt, dann kriegt er beim nächsten Mal so eine Bimse, dass er sich gar nicht mehr hintraut.

Ist der Tod für die Vögel qualvoll?

So ein Huhn verendet innerhalb von 24 Stunden: Fieber, bums, tot.

Karl-Heinz Florenz (58) sitzt seit 1989 für die CDU im EU-

Parlament. Der gelernte Landwirt ist

Vorsitzender des Ausschusses für Umweltfragen und

Lebensmittel.

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