Politik : Es zahlt nur einer

Hans Monath

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Alles dreht sich um Zahlen. Erst die Debatte um „Vierzehn-einundvierzig“: Ist die „Resolution fourteen-fortyone“ (J. Fischer bei einem Besuch in N.Y.) nun ein Bann gegen den Irak-Krieg oder ein Freibrief dafür (so G. W. Bush in Washington D.C.)? Gottseidank ist dieser Streit vorbei. Dafür ist jetzt „Zwanzigzehn“ dran, Agenda 2010. Gestern wieder Sozial-Alarm, heute Kanzler-Rücktrittsdrohung, morgen dann ruck-ruck in die Zukunft reformiert. Nun hat der Kanzler ein Sprechproblem entdeckt: „Zwanzigzehn" klingt ihm zu kalt, weshalb alle künftig von der „Agenda zweitausendzehn“ schwärmen sollen. Hofft er, dass die nahe Zukunft wie eine Verheißung wirkt? Der Mann hat Sorgen! Zu bürokratisch ist ihm das? Dabei hat er doch selbst verlangt, Deutschland müsse ein „Zentrum für Zuversicht“ werden. Das klingt eher nach einem Verwaltungs-Flachbau mit Kieselstein-Fassade und Betonhof als nach einem lebendigen Ort. Der Oberreformer muss nur aufpassen, dass nicht plötzlich ein Rebell anfängt, von „Agenda zwei-null-eins-null“ zu reden, dann wäre der Sonderparteitag gelaufen. Und wie war das früher? Wurde vor dem Sturm auf die Bastille eine „Agenda 1789" verabschiedet? Beim Zusammenrühren des Kölnisch Wassers die „Agenda 4711"? Sangen die Engel vor Jesu Geburt eine „Agenda null“ (Köchel-Verzeichnis nullnull)? Ja, ja, die Geschichte ist eben doch die Lehrmeisterin aller Reformer. Und was lernen wir? Vielleicht das: Vor wirklich großen Ereignissen wurde noch nie eine mit dollen Zahlen zum historischen Ereignis aufgemotzte Agenda verkündet. Ob das im Jahr Zwanzig-null-drei nun anders ist? Der wahre Zahl-Meister, der Bürger, hat seine Zweifel.

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