Politik : Eta-Anschlag: Bombe aus dem Abseits

Ralph Schulze

Die baskische Terror-Organisation Eta hat auf ihre Weise den Wahlkampf im spanischen Baskenland eingeläutet. Einen Tag nach der Ankündigung von Neuwahlen zündete die Bande in der baskischen Küstenstadt San Sebastian eine Autobombe: zwei Menschen starben, vier wurden verletzt. Der Sprengsatz galt dem sozialistischen Stadtverordneten Inaki Dubreuil, der durch die Explosion erheblich verletzt wurde. Sein Leibwächter kam mit leichten Blessuren davon. Die beiden Toten sind Arbeiter einer Elektrofabrik, die direkt neben dem Explosionsort liegt. Zwei weitere Arbeiter des Unternehmens wurden schwer verletzt. Wenig später konnten die Behörden einen Ermittlungserfolg vermelden: Am Donnerstag wurde der mutmaßliche Eta-Militärchef, Xavier Garcia Gaztelou, in Südwestfrankreich festgenommen.

Die Bombe, die morgens, als die Menschen zur Arbeit gingen, vor einem Vorort-Bahnhof San Sebastians hochging, "hätte ein Massaker verursachen könne", sagte ein Sprecher der Sicherheitskräfte. Allerdings ist dieses Attentat mit zwei Toten und vier Verletzten auch so schon das schlimmste, das die Eta seit Jahresanfang verübte. Vor einem Monat zerfetzte die Eta mit einer Bombe in derselben Stadt einen Militärkoch. Seit der Aufkündigung der Feuerpause seitens der Eta vor 15 Monaten töteten die Terroristen 26 Menschen.

Der Zeitpunkt des jüngsten Attentates in San Sebastian war von den Terroristen nicht zufällig gewählt worden. Erst am Vortag hatte der baskische Regierungschef Juan Jose Ibarretxe endlich dem innenpolitischen Druck nachgegeben und das Handtuch geworfen. Nach einem Jahr der Handlungsunfähigkeit wegen fehlender politischer Mehrheit setzte er für den 13. Mai Neuwahlen an, in denen erstmals die pro-spanischen Parteien im Baskenland - Sozialisten und Konservative - an die Regierung kommen könnten. Es gibt wenig Zweifel, dass dieses Attentat "eine Antwort auf das Wahldatum" ist, wie auch der sozialistische Spitzenkandidat im Baskenland, Nicolas Redondo, anmerkte.

Doch den Terroristen ging es in ihrer üblichen zynischen Strategie um mehr: Sie begingen mit dem jüngsten Bombenanschlag gegen den sozialistischen Lokalpolitiker den Jahrestag eines anderen spektakulären Attentates, bei dem sie in der baskischen Hauptstadt Vitoria vor genau einem Jahr den sozialistischen Oppositionsführer im baskischen Parlement, Fernando Buesa, töteten. Mit dem Mord an Buesa sprengte die Eta damals zugleich die baskische Regionalregierung - eine Koalition aus den baskischen Nationalistenparteien PNV und EA, die vom politischen Flügel der Eta gestützt wurde. Der Nationalistenblock kündigte nach dem Anschlag die Zusammenarbeit mit der Eta-Partei und verlor dadurch seine politische Mehrheit im Parlament. Die Eta-Terrorwelle hat seitdem den politischen Flügel der Extremisten geschwächt. In der letzten Regionalwahl im Herbst 1998 erhielt die Eta-Partei überraschende 18 Prozent der Stimmen und erntete damit die Früchte der Feuerpause, die ihre Waffenbrüder kurz vor dem Wahlgang verkündet hatten. Neuesten Umfragen zufolge werden die Extremisten, die das Baskenland in die Unabhängigkeit bomben wollen, im kommenden Mai für ihre Kompromisslosigkeit die Quittung bekommen und Stimmen einbüßen.

Auch mit dem Anschlag vom Donnerstag dürften die Terroristen ihren Sympathisantenkreis weiter beschädigt haben: Einer der beiden toten Arbeiter ist Mitglied der Eta-Partei, und auch der andere Tote war kein "baskischer Volksfeind", sondern zählte zum baskisch-nationalistischen Umfeld, das auf politischem Wege die Abspaltung des Baskenlandes erreichen möchte.

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