Politik : Eta-Terror: "Die Extremisten handeln gegen alle"

Ralph Schulze

Verluste in den eigenen Reihen rächt die baskische Terrorgruppe Eta mit Bomben und Todesschüssen auf Repräsentanten des spanischen Staates: Die beiden vorerst letzten Mordopfer dieser Strategie sind zwei Polizisten in Nordspanien, die dafür bezahlen mussten, dass am Vortag im baskischen Vitoria drei Eta-Kämpfer verhaftet wurden. Die Eta-Mordmaschine läuft derzeit auf Hochtouren, Spanien erlebt gerade den blutigsten Terror-Sommer seit langem. In den letzten drei Wochen brachte die Eta fünf Menschen um, elf Tote sind es seit Anfang des Jahres 2000 - das Jahr Null nach Ende des Waffenstillstandes. Und es gibt wenig Zweifel, dass die Liste der Opfer noch sehr viel länger werden wird.

Den nächsten Vorwand hat die Eta bereits in der Hand: Am Montagmorgen gelang der spanischen Polizei im nordspanischen Baskenland, der Eta-Heimat, ein weiterer Schlag gegen die Bande. Vier mutmaßliche Terroristen wurden festgenommen. Die blutige Antwort dürfte nicht auf sich warten lassen - wie Ende Juli, als 24 Stunden nach der Festnahme von zwei "Etarras" der sozialistische Ex-Gouverneur der Baskenprovinz Guipuzcoa mit Kopfschüssen hingerichtet wurde. Auch den Tod von vier Terroristen, die bei einem "Arbeitsunfall" mit ihrem Bombenauto Anfang August in Bilbao starben, rächte die Bande umgehend am nächsten Tag mit dem Mordanschlag auf einen baskischen Spitzenmanager. Zeitgleich ließ man auch noch eine Bombe in Madrid hochgehen, die elf Menschen verletzte.

Spaniens Anti-Terror-Experten schließen aus diesem kaltblütigen Vorgehen, dass die Eta so stark ist, wie schon lange nicht mehr. Offenbar existieren gut organisierte Terrorkommandos in ganz Spanien, wie die Blutspur beweist, die sich durch das ganze Land zieht. Bis zu 200 Mitglieder soll die Gruppe unter Waffen haben: Im Süden, im Norden, im Zentrum des Königreiches - überall schlugen die Terroristen in den letzten Monaten zu. Die Polizei geht davon aus, dass dutzende, wenn nicht hunderte weitere Terrorziele im gesamten Königreich ausgekundschaftet sind. Die letzten Wochen hätten gezeigt, heißt es, dass die Eta blitzschnell mit Attentaten reagieren kann. Spaniens Sicherheitskräfte haben deshalb Urlaubssperre, besonders in den Urlaubsgebieten am Mittelmeer sieht man so viel Polizei wie schon lange nicht mehr.

Inzwischen wird auch den bisherigen politischen Verbündeten der baskischen Extremisten, den moderaten Baskenparteien, langsam klar, dass sie von den Terroristen und ihrer politischen Partei an der Nase herumgeführt wurden. Den Waffenstillstand, mit dem die Eta 1998 praktisch alle baskischen Parteien auf ihre Seite zog, existierte in Wirklichkeit niemals. Die Terroristen nutzten die anderthalbjährige Ruhepause bis Ende 1999, um aufzurüsten, Nachwuchs zu rekrutieren und neue Ziele auszuspionieren. Die im Baskenland regierende Baskische Nationalistenpartei (PNV) zieht nun die Konsequenz und distanziert sich, wenn auch vorsichtig, von dem politischem Flügel der Eta, Euskal Herritarrok. Erstmals seit zwei Jahren schlägt die PNV Krisengespräche mit allen Parteien vor - nur die Radikalen der Partei der Mörder sind ausdrücklich nicht eingeladen. "Die Eta handelt gegen alle - gegen die baskische Gesellschaft und auch gegen die spanische Gesellschaft", begründet die baskische Regierung das Ende des Schmusekurses mit den Extremisten.

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