Politik : Eta-Terror: "Ein blinder Terrorakt"

Ralph Schulze

Spanien steht am Tag nach dem schlimmsten Eta-Terroranschlag seit fünf Jahren unter Schock: Drei Tote, 65 Verletzte - "Warum, wofür?" - titelt die Tageszeitung "Diario" in riesigen roten Buchstaben. "Ein blinder Terrorakt", urteilt Spaniens König Juan Carlos, die Terroristen "werden für dieses Verbrechen bezahlen". Doch die Täter, die per Fernbedienung 30 Kilo Dynamit zündeten und damit einen hohen Militärrichter, seinen Leibwächter und den Chauffeur töteten sind über alle Berge. Rund 1000 Hinweise gingen bei der Polizei ein - doch bislang gibt es keine heiße Spur.

Die Polizei vermutet, dass das Terrorkommando noch in der Hauptstadt ist und dort ein "breites und stabiles Netz von Helfern" besitze. Unterdessen nimmt der Druck auf die im Baskenland regierenden Nationalisten zu, sich klar vom Terror der Eta zu distanzieren. Spaniens Regierungschef Jose Maria Aznar warf der Baskischen Nationalistischen Partei vor, "näher an den Mördern, als an den Opfern" zu sein. Der baskische Nationalistenführer Xabier Arzalluz deute der Eta "mit dem Finger", gegen wen sie Attentate verüben müsse.

Die katholische Kirche im Baskenland, die lange Zeit Sympathien für den baskischen Nationalismus zeigte, verurteilt nun jene, die den Terror "decken und ihn rechtfertigen". Auch die baskischen Unternehmer, deren Geschäfte zunehmend unter dem Terror-Image des Baskenlandes leiden, fordern einen Kurswechsel in der Nationalistenpartei. .

Wegen dieses Klimas der Angst kehren immer mehr Manager, Politiker und Intellektuelle dem Baskenland den Rücken. Rund 50 000 Basken, so schätzt man, leben bereits im Exil. Bis zu 30 Prozent der baskischen Bevölkerung denkt darüber nach, die Region zu verlassen, weil ein normales Leben nicht mehr möglich ist. Die Eta und die baskischen Nationalisten erreichen zunehmend ihr Ziel: Die Vertreibung der "Espanolisten" aus dem Baskenland - ideologische Säuberungen, und das in einem Teil der Europäischen Union.

Derweil gingen am Dienstagabend in Madrid wieder zehntausende Bürger auf die Straße und demonstrierten gegen die Eta. "Eta NO" stand auf dem riesigen Transparent, hinter dem Spaniens Spitzenpolitiker aller großen Parteien marschierten. Die Massenproteste sind inzwischen ein Ritual, das nach jedem Anschlag stattfindet. Die Bürger machen sich selber Mut - den Terror beenden konnten sie damit bislang nicht.

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