Politik : Eta terrorisiert Spaniens Ferienregionen

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Sevilla. Wie befürchtet macht die baskische Terror-Organisation Eta in diesem Sommer wieder ernst mit Bombenanschlägen in Urlaubszonen an der spanischen Mittelmeerküste. Am Freitagvormittag gingen an der Costa del Sol in den Badeorten Marbella und im benachbarten Fuengirola zwei Autobomben hoch. Dabei wurden mehrere Menschen verletzt, darunter ausländische Touristen. Die Staats- und Regierungschefs des EU-Gipfels im rund zwei Autostunden entfernten Sevilla verurteilten die Attentate.

Der erste Terroranschlag der Eta erschütterte am Freitagmorgen ein großes Touristenhotel in Fuengirola, ein Ferienort zwischen den Städten Malaga und Marbella. Dabei wurden sechs Menschen verletzt - darunter auch drei britische Touristen. Einer der Urlauber, der von einem Bombensplitter in die Brust getroffen wurde, schwebt in Lebensgefahr. Eine deutsche Urlaubergruppe kam mit dem Schrecken davon. Eine halbe Stunde vor der ersten Explosion gegen sieben Uhr morgens warnte ein anonymer Anrufer vor der Bombe. Nachdem die Polizei das Bombenfahrzeug entdeckt hatte, konnte die Umgebung abgesperrt, das Hotel aber nicht mehr evakuiert werden. Fast 600 Urlauber, die meisten noch in den Betten, schreckten durch die Explosion und zersplitternde Fensterscheiben hoch. Die Detonation beschädigte vor allem das Erdgeschoss des Hotels, in dem sich Restaurant, Geschäfte und Rezeption befinden.

Die Terroristen wählten den Freitag nicht zufällig für ihre Anschläge, sondern wollten offenbar den EU-Gipfel in Sevilla durch ihre Aktionen stören und dem Ansehen Spaniens schaden. Die EU hatte Ende des Jahres beschlossen, die Eta auf die schwarze Liste jener gefährlichen Terror-Organisationen zu setzen, die international bekämpft werden sollen. Dies betrifft besonders das Unterbinden der Finanzströme und des Waffennachschubs sowie die Auslieferung von Terroristen. Spaniens konservativer Innenminister Mariono Rajoy warnte, dass die baskische Terrorgruppe gerade in der Urlaubshochsaison weitere Anschläge verüben könnte.

Erst vergangene Woche hatte die Polizei in Valencia ein Eta-Kommando zerschlagen, das an der Mittelmeerküste Angst und Schrecken verbreiten wollte. Dabei wurden sechs fertige Bomben gefunden, die offenbar vor Hotels und Tourismuseinrichtungen platziert werden sollten.

Im vergangenen Jahr hatte die Eta Ausländer gewarnt, in spanische Touristenorte zu reisen. Bei einer Serie von Anschlägen imSommer 2001 auf Hotels und Flughäfen wurden ein Polizist und eine Terroristin getötet, mehrere Urlauber waren verletzt worden. In den vergangenen 30 Jahren verübte die Eta weit über 100 Anschläge gegen touristische Einrichtungen in Spanien. Mit ihrem Bombenkrieg gegen Spanien will die Eta die Unabhängigkeit des nordspanischen Baskenlandes erzwingen. Ralph Schulze

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