Politik : Ethikrat fordert Gesetz zur Sterbehilfe

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Berlin - Der Nationale Ethikrat hat am Donnerstag in Berlin seiner Stellungnahme zu Sterbebegleitung und Sterbehilfe eine weiter gehende Anerkennung von Patientenverfügungen empfohlen. Die Vorsitzende Kristiane Weber-Hassemer hofft, dass es noch in dieser Legislaturperiode zu einem parteiübergreifend verabschiedeten Gesetz kommt. Der Nationale Ethikrat, der die Bundesregierung berät, sieht es als das Recht eines unheilbar kranken Patienten an, lebensverlängernde Maßnahmen abbrechen zu lassen. Das gelte nicht erst in der Sterbephase, sondern auch dann, wenn durch Abbruch medizinischer Maßnahmen der Tod früher eintrete. Das Recht auf Beendigung lebensverlängernder Maßnahmen gelte auch für Komapatienten, wenn dieser Wille „hinreichend sicher aus einer Patientenverfügung“ zu entnehmen sei. Entsprechend sollten Ärzte, Angehörige und Pflegende gemäß dem Willen des Patienten lebenserhaltende Maßnahmen unterlassen dürfen, ohne wegen unterlassener Hilfeleistung strafrechtliche Sanktionen befürchten zu müssen.

Tötung auf Verlangen und die gewinnorientierte Beihilfe zur Selbsttötung lehnten die 24 Mitglieder des Ethikrats klar ab. Beides solle strafbar bleiben. Ein unterschiedliches Votum gab der Ethikrat zur Selbsttötung eines unheilbar Kranken ab. Nach Auffassung der Mehrheit sollten beim Freitod eines schwer Kranken Ärzte und Angehörige von einer Intervention absehen dürfen, wenn der Betreffende einen ernsthaft bedachten Entschluss verfolgt und jegliche Rettungsmaßnahme ablehnt. Einige Mitglieder wollen das dagegen nur dann erlauben, wenn die schwere Krankheit absehbar zum baldigen Tod führen würde. Der Freiburger Moraltheologe Eberhard Schockenhoff, der stellvertretender Vorsitzender des Ethikrates ist, hat zusammen mit dem Augsburger Weihbischof Anton Losinger und dem Schauspieler Peter Radtke eine ergänzende Stellungnahme abgegeben, in der vor einer schleichenden Billigung der aktiven Sterbehilfe gewarnt wird. ukn

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