Politik : Ethikrat gegen Klonen für die Medizin

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Berlin Der Nationale Ethikrat hat sich am Montag dafür ausgesprochen, das therapeutische Klonen zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht zu erlauben. Bei diesem Verfahren wird kein Mensch kopiert, wie beim reproduktiven Klonen, sondern lediglich ein Embryo, von dem Stammzellen für die Behandlung schwerer Krankheiten wie Diabetes und Parkinson gewonnen werden.

Die Entscheidung des Ethikrats fiel denkbar knapp aus, weil zwölf der 25 Mitglieder für eine begrenzte Zulassung des Klonens für medizinische Zwecke plädiert hatten. Diese Fraktion war jedoch bereit, angesichts der noch ungewissen Perspektiven der Klonforschung dem vorläufigen Verbot zuzustimmen und damit auch Kompromissbereitschaft zu signalisieren. In Großbritannien ist das therapeutische Klonen, das auch als Forschungsklonen bezeichnet wird, dagegen unter strengen Auflagen erlaubt. Ähnlich sieht es in Belgien, Japan, Israel, Singapur, Schweden und einigen Bundesstaaten der USA aus.

So zwiespältig das Votum in Sachen therapeutisches Klonen ausfiel, so einmütig sprach sich der Ethikrat für ein weltweites Verbot des Klonens von Menschen zu Fortpflanzungszwecken aus. Zudem müsse die deutsche Rechtslage im Sinne eines strafrechtlichen Verbots „präzisiert“ werden, sagte der Ethikrats-Vorsitzende Spiros Simitis (Universität Frankfurt am Main). Bei den Vereinten Nationen soll demnächst erneut über ein Verbot sowohl des therapeutischen als auch des reproduktiven Klonens beraten werden. Dieses „Totalverbot“ fand im Dezember 2003 keine Mehrheit.

In der Politik stieß das Votum des Ethikrats auf ein geteiltes Echo. Regierungssprecher Béla Anda nannte es eine überzeugende Lösung, die CDU-Politikerin Maria Böhmer warf dem Gremium dagegen eine „unproduktive Diskussion“ vor. Ulrike Flach (FDP) bezeichnete das Votum als „Momentaufnahme“. Sobald andernorts die Klon-Forschung Erfolge feiere, werde sich das Bild ändern. wez

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