Politik : Etwa zehn Jahre nach der Tat wurde der letzte Haftbefehl aufgehoben

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Die Ermittler stehen nun mit leeren Händen da - Kronzeuge offenbar nicht glaubwürdigukn

Rund zehn Jahre nach der Ermordung des Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank, Alfred Herrhausen, durch die Rote Armee Fraktion (RAF) gibt es keine konkrete Spur zu den Tätern. Die Aussage des umstrittenen Kronzeugen Siegfried Nonne, der 1992 Andrea Klump und Christoph Seidler schwer belastete, wird vom Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs (BGH) offensichtlich nicht für glaubwürdig gehalten.

Am vergangenen Donnerstag wurde der Mordvorwurf gegen die von Österreich ausgelieferte Andrea Klump (42) fallen gelassen. Damit fiel der letzte Haftbefehl, den es im Zusammenhang mit dem Herrhausen-Mord gab. Der Deutsche-Bank-Chef Herrhausen wurde am 30. November 1989 in Bad Homburg auf dem Weg zu seiner Arbeit von einer Bombe getötet, sein Fahrer schwer verletzt. Die Bombe wurde am Wegrand gezündet, die Täter hatten zuvor als Bautrupp getarnt eine Leitung unter der Straße verlegt.

Rund zwei Jahre nach dem Anschlag gab der Kronzeuge und frühere V-Mann Siegfried Nonne an, vier Täter hätten in seiner Wohnung und seinem Keller den Anschlag vorbereitet. Neben Andrea Klump und Christoph Seidler seien zwei weitere ihm namentlich nicht bekannte Männer beteiligt gewesen.

Tatsächlich fand man in Nonnes Keller Spuren, die auch in Sprengstoff vorhanden sind. Eine Identität mit dem bei dem Anschlag verwendeten Sprengstoff konnte jedoch nicht nachgewiesen werden. Hinzu kam, dass sich der Kronzeuge immer mehr widersprach und nicht zuletzt auf Grund schwerer psychischer Probleme als unglaubwürdig galt.

Christoph Seidler stellte sich vor drei Jahren den deutschen Behörden und gab an, sich während des Herrhausen-Mordes überhaupt nicht in Deutschland aufgehalten zu haben. Der Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs hob den Haftbefehl auf, Seidler befindet sich auf freiem Fuß. Zwar ermittelt die Bundesanwaltschaft noch gegen ihn, Beobachter gehen aber davon aus, dass das Ermittlungsverfahren in den nächsten Wochen eingestellt wird.

Der Mordverdacht gegen Andrea Klump basierte ebenfalls auf der Aussage Nonnes von 1992. Wie bei Seidler hielt der Ermittlungsrichter des BGH diese nicht für ausreichend. Die Bundesanwaltschaft geht indessen davon aus, dass sich Nonne seine Aussagen nicht ausgedacht hat. Für die Ermittler stellt es sich offenbar so da, dass die Angaben Nonnes zwar stimmen, aufgrund seiner Persönlichkeitsstörungen aber nicht für eine Verurteilung genügen. Kritiker der Bundesanwaltschaft meinen dagegen, dass die Ermittler in ihrem Verfolgungswillen an einer völlig unglaubwürdigen Aussage festhalten.

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