EU-Führerschein : Langer Abschied von grauen und rosa Lappen

Alle Autofahrer in der Europäischen Union bekommen einen einheitlichen Führerschein - bis zum Jahr 2032. Das haben die Verkehrs- minister der 25 EU-Staaten beschlossen.

Brüssel - Sie versprechen sich davon mehr Fälschungssicherheit und Erfolge im Kampf gegen Verkehrssünder und so genannte Führerscheintouristen. Derzeit sind EU-weit noch 110 verschiedene Modelle gültig, sechs Typen allein aus Deutschland.

Der Ministerrat begann mit etwas Wehmut. "Das ist das gute alte rosa Stück, das jetzt noch 26 Jahre Gültigkeit haben wird", sagte Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee und zog seine Fahrerlaubnis aus der Tasche. Ein Fernsehreporter konterte mit einem grauen Lappen, den ein Jugendfoto mit Bart und braunem Haar ziert. "Ich muss schon sagen, Sie sind gut getroffen", versicherte der Minister dem weißhaarigen Fernsehmann. Auf anderen alten Führerscheinen könnten Polizisten bei einer Verkehrskontrolle mitunter kaum erkennen, ob das Foto einen Mann oder eine Frau darstelle.

Der neue EU-Führerschein soll das ändern. Wie ein Ausweis oder Reisepass müssen die neuen Dokumente künftig je nach Mitgliedsland alle 10 bis 15 Jahre erneuert werden. Jugendbildnisse werden dann ausgetauscht. Aber erst in ferner Zukunft: Lange Übergangsfristen sollen Kosten und Bürokratie gering halten, versprach Tiefensee. Die Richtlinie tritt in zwei Jahren in Kraft. Dann haben die EU-Staaten vier Jahre Zeit, die Regelung in nationales Recht umzusetzen. Danach beginnt eine Umtauschfrist von 20 Jahren. "Wir werden ab 2012 die neuen Führerscheine ausgeben", sagte Tiefensee.

Vor allem führe die Richtlinie den Grundsatz "ein Führerschein pro Fahrer" ein, betonte der Ratsvorsitzende und österreichische Ressortchef Hubert Gorbach. Wer seine Fahrerlaubnis verlor, weil er mit Alkohol oder Drogen im Blut am Steuer saß, konnte sich bisher im EU-Ausland Ersatz besorgen. Allein in Deutschland gibt es Tiefensee zufolge 2600 bis 2800 solcher Führerscheintouristen. "So etwas wird es nun nicht mehr geben", sagte EU-Verkehrskommissar Jacques Barrot.

Von 2012 an wollen die Behörden sich mit einem gemeinsamen Datennetz über Verkehrssünder informieren. Schon im Vorgriff auf die Richtlinie könnten die EU-Staaten untereinander ein Vorgehen gegen Führerscheintouristen regeln, meinte Minister Gorbach. Sein Kollege Tiefensee rechnet damit, dass der Europäische Gerichtshof angesichts des Ratsbeschlusses keine Einwände dagegen mehr haben wird. Das werde die Sicherheit für Kinder, Fußgänger und Radfahrer erhöhen.

Änderungen bringt der EU-Führerschein in einzelnen Mitgliedstaaten auch für die Fahrlehrer-Ausbildung sowie das Fahren mit Anhängern und Motorrädern. Nur Großbritannien sah im Stufenführerschein für Motorradfahrer eine Gefahr für die europäische Zweirad-Industrie und enthielt sich der Stimme. Dieser Schritt sei aber gegen die steigende Zahl der Motorradunfälle nötig, betonte der Ratsvorsitzende Gorbach und baute möglicher Kritik gleich vor: "Ich bin selbst Motorradfahrer, und mein Herz schlägt für diese Gruppe." (Von Roland Siegloff, dpa)

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