• EU gegen Spielerkäufe: "Regeln des Rechts gelten auch für Fußballmillionäre" - EU-Parlamentarier Karl von Wogau über die freie Arbeitsplatzwahl

Politik : EU gegen Spielerkäufe: "Regeln des Rechts gelten auch für Fußballmillionäre" - EU-Parlamentarier Karl von Wogau über die freie Arbeitsplatzwahl

Warum will die EU das Transfer-,Vertragssystem

Karl von Wogau (59) ist wirtschaftspolitischer Sprecher der EVP-Fraktion. Der Christdemokrat und SC-Freiburg-Fan sitzt seit 1979 im EU-Parlament.

Warum will die EU das Transfer- und Vertragssystem im Profi-Fußball ändern?

Die Europäische Union, genauer die Wettbewerbsdirektion der Europäischen Kommission, will damit erreichen, dass die europäischen verbrieften Regeln über den Wettbewerb und die Rechte der Arbeitnehmer eingehalten werden. Dazu gehört auch, dass ein Fußballspieler das Recht hat, nach allgemeinen Vertragsregeln den Verein zu wechseln.

Was haben die Rechte der Arbeitnehmer, in dem Fall der Fußball-Profis, mit den hohen Ablösesummen im Fußball zu tun?

Die hohen Ablösesummen haben zur Folge, dass ein Vereinswechsel für die Fußballspieler aus einem bestehenden Vertrag außerordentlich erschwert wird. Dies wiederum bedeutet, dass sein Recht auf Freizügigkeit auf dem Arbeitsmarkt eingeschränkt wird. Es kann nicht sein, dass der Arbeitgeber eine so hohe Ablösesumme festlegt, die der neue Arbeitgeber aber nicht zahlen will, der Wechsel deshalb platzt und der Spieler der Leidtragende ist.

Nun handelt es sich ja bei den Fußballern nicht unbedingt um bedauernswerte Angestellte, sondern um Millionäre. Ist es da nicht zu verschmerzen, dass sie in ihrer Arbeitsplatzwahl eingeschränkt sind?

Regeln des Rechtes müssen für alle in gleicher Weise gelten. Hier darf es keine Ausnahmen geben, aufgrund von Neidgefühlen, die der eine oder andere gegenüber den "Fußballmillionären" hegen könnte.

Die Verbände sagen, so wird der Fußball kaputtgemacht. Gibt es keinen Kompromiss?

Wir werden demnächst im Ausschuss für Wirtschaft und Währung des EU-Parlamentes mit dem zuständigen Mitglied der Kommission, Herrn Monti, über diese Angelegenheit sprechen. Ich könnte mir durchaus Kompromissvorschläge vorstellen, insbesondere solche, die die finanziell schwächeren Vereine betreffen, die Nachwuchsspieler ausbilden. Das wird wohl auch bei den gestrigen Gesprächen in Zürich Gegenstand der Diskussionen gewesen sein.

Nun hat die EU sich schon einmal mit den Fußball-Verbänden angelegt, als es um die Ausländerregel ging. Sucht die EU den Streit?

Nein. Es wäre sicher ein Fehler, wenn die europäischen Institutionen den Streit mit dem europäischen Fußball suchten. Was jedoch bisher entschieden wurde, beispielsweise bei der so genannten Ausländerregelung, scheint mir aber vernünftig. Es wurde hier nicht die Entscheidung getroffen, wie viele "Ausländer" einer Mannschaft angehören dürfen. Es wurde lediglich auf die Tatsache verwiesen, dass in der Europäischen Union Bürger aus anderen Mitgliedsländern im Arbeitsleben nicht als Ausländer behandelt werden dürfen. Die Wettbewerbsregeln müssen sichergestellt werden, sodass bei den Fernsehübertragungen von Fußballspielen keine Monopolsituationen entstehen, die ganze Gruppen von Zuschauern von diesen Spielen ausschließen.

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