Politik : EU-Gipfel von Stockholm: Agrarkrise und Balkankonflikt

Thomas Gack

"Das sollte nun wirklich diesmal kein Balkan- und Agrar-Krisengipfel werden", meinte ein Brüsseler Diplomat geradezu beschwörend vor seiner Abreise nach Stockholm. "Wir müssen endlich auch einmal über die mittel- und langfristigen Zukunftsprobleme der europäischen Wirtschaft und unserer Gesellschaften sprechen können." Doch tatsächlich droht auch diesmal die Tagesaktualität auf dem Balkan und die Seuche in den Ställen die Themen zu verdrängen, die beim EU-Sondergipfel in Stockholm nach den Vorstellungen der Gastgeber eigentlich im Mittelpunkt stehen sollten: der Kampf gegen die Arbeitslosigkeit und die Modernisierung der europäischen Wirtschaft. Der russische Präsident Wladimir Putin ist als Überraschungsgast nach Stockholm geladen - und soll ins Boot der europäischen Balkanpolitik geholt werden.

Offiziell soll der Stockholmer Gipfel an die Arbeit des Lissaboner EU-Gipfeltreffens vor einem Jahr anknüpfen, bei dem sich die 15 europäischen Staats- und Regierungschefs das überaus ehrgeizige Ziel gesetzt hatten, die Europäische Union binnen eines Jahrzehnts "zum wettbewerbsfähigsten und dynamischsten wissenbasierten Wirtschaftraum der Welt" zu machen. Inzwischen ist es dank einer weltweit lebhaften Konjunktur in der EU gelungen, in einem Jahr 2,5 Millionen Arbeitsplätze zu schaffen. Bisher eher wirtschaftsschwache EU-Länder wie Irland und Portugal boomen. Die Wirtschaftsexperten der Europäischen Kommission in Brüssel fürchten jetzt angesichts der Erfolge, dass sich die Regierungen auf den Lorbeeren ausruhen könnten. Europa dürfe die Chance zum Wandel nicht verpassen, sagte EU-Kommissionspräsident Romano Prodi vor dem Gipfeltreffen.

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