EU-Kommission : Abgeordnete für Vielsprachigkeit

Der Kulturausschuss des Europaparlament will sich für die Ernennung des designierten rumänischen Kommissars für Vielsprachigkeit, Leonard Orban, aussprechen - allerdings mit Vorbehalten.

Brüssel - Darauf habe sich eine deutliche Mehrheit im Ausschuss geeinigt, sagte die SPD-Europaabgeordnete Lissy Gröner. Bei der Anhörung Orbans am Vortag sei deutlich geworden, dass dessen Ressort präziser definiert werden müsse. So sei nicht genau geklärt, inwieweit der 45-Jährige auch für den multikulturellen Dialog zuständig sei. Außerdem gebe es Überschneidungen mit dem Ressort des slowakischen Bildungskommissars Jan Figel, etwa im Bereich lebenslanges Lernen.

Der neue Kommissar für Vielsprachigkeit brauche ein "klareres Profil", sagte auch der CSU-Abgeordnete Ingo Friedrich. Gröner zufolge will der Ausschuss Kommissionspräsident José Manuel Barroso auffordern, Orbans Zuständigkeiten genauer zu umreißen. Dem Plenum werde der Ausschuss dabei empfehlen, Orbans Kandidatur zu akzeptieren. "Die Mängel an seinem Ressortzuschnitt können nicht ihm angelastet werden". Das Europaparlament soll bei seiner Sitzung in der zweiten Dezemberwoche der Ernennung Orbans und der designierten bulgarischen Kommissarin für Verbraucherschutz, Meglena Kunewa, zustimmen. Die neuen Kommissare werden ihren Dienst am 1. Januar antreten - mit der Aufnahme der beiden Länder in die EU.

Besserer Sprachunterricht an Schulen

Orban, der die Beitrittsverhandlungen seines Landes mit der EU führte, gilt als erfahrener Europapolitiker. Bei der mehrstündigen Anhörung vor dem Ausschuss hatte er am Montagnachmittag unter anderem zugesichert, er werde sich für besseren Sprachunterricht in den europäischen Schulen einsetzen. Ziel müsse "eins plus zwei" sein - dass also jeder neben seiner Muttersprache zwei andere Sprachen lerne. Auf die unter anderem von Katalanen erhobene Forderung, auch Regionalsprachen als EU-Arbeitssprachen zuzulassen, reagierte er zurückhaltend. Die Entscheidung darüber liege beim Ministerrat.

Ab kommenden Jahr werden zu den derzeit 20 Amtssprachen der EU drei neue hinzukommen: Bulgarisch, Rumänisch sowie - auf Druck Irlands - Gälisch. Damit sind bei den Simultanübersetzungen im Europaparlament mehr als 500 Sprachkombinationen möglich, was den Dolmetscherdienst vor neue Herausforderungen stellt. (tso/AFP)

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