EU-Kommission : Brüssel will jährlichen Tüv für ältere Autos

Die EU betont die Sicherheit, der ADAC die Kosten. Verkehrskommissar will ältere Autos einmal jährlich zum Tüv schicken. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer wirbt für eine deutsche Lösung.

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Müssen Besitzer älterer Wagen in Zukunft einmal jährlich zum Tüv? Die EU-Kommission schlägt das vor.
Müssen Besitzer älterer Wagen in Zukunft einmal jährlich zum Tüv? Die EU-Kommission schlägt das vor.Foto: dapd

Ungeachtet der Proteste in Deutschland gegen seine vorab bekannt gewordenen Pläne, hat EU-Verkehrskommissar Siim Kallas am Freitag ein Gesetz für häufigere Hauptuntersuchungen bei Kraftfahrzeugen vorgestellt. Es bleibt dabei, dass ältere Autos einmal jährlich zum Tüv sollen. Bisher schreibt die EU-Richtlinie vom vierten Jahr der Zulassung an einen zweijährigen Prüfrhythmus vor. Dies hat Deutschland auch so umgesetzt – bis auf die Tatsache, dass hierzulande Neuwagen schon nach drei Jahren vorgeführt werden sollen.

Der neue Gesetzesvorschlag, über den nun EU-Regierungen und Europaparlament beraten, schreibt vom sechsten Jahr der Inbetriebnahme an jährliche Untersuchungen vor. 14 der 27 Mitgliedstaaten haben das bereits von sich aus eingeführt – doch von unterschiedlichen Zeitpunkten an. Es bliebe dabei, dass Neuwagen nach EU-Recht erst nach vier Jahren erstmals zum Tüv müssen und dann nach zwei Jahren. Danach würde die Prüfung einmal pro Jahr fällig. Das soll zudem generell für Autos gelten, die mehr als 160.000 Kilometer auf dem Buckel haben.

Der ADAC kritisierte Kallas’ Vorschlag „auf das Schärfste“. Es handele sich „um reine Abzocke der deutschen Autofahrer“. Es werde weder der in Deutschland übliche Prüfumfang europaweit vereinheitlicht noch führten kürzere Prüfintervalle zu mehr Verkehrssicherheit. „Unfälle aufgrund technischer Mängel“, teilte der Automobilclub mit, „machen nur rund 0,5 Prozent der schweren Unfälle aller Fahrzeugbaujahre aus.“ Das sieht Kallas anders: Er verweist darauf, dass auf Europas Straßen jeden Tag mehr als fünf Menschen bei Unfällen sterben, die durch technisches Versagen verursacht wurden. Sechs Prozent aller Autounfälle ließen sich auf technische Mängel zurückführen.

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU ) will nun Verbündete suchen, um das Vorhaben zu stoppen: "Die Pläne aus Brüssel würden für viele Autofahrer mehr Bürokratie und höhere Kosten bedeuten". Stattdessen empfiehlt er, die deutschen Standards bei der Hauptuntersuchung europaweit als Vorbild zu nehmen. Die deutsche Prüfpraxis sei bewährt, so Ramsauer.

Auch der SPD-Europaabgeordnete Ismail Ertug will Änderungen: „Wer fährt denn alte Autos? Leute, die nicht viel Geld haben.“

(mit dapd)

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