EU/Migration : Flüchtlingsunglücke auf dem Atlantik

Hunderte von Afrikanern sind nach spanischen Regierungsangaben in den vergangenen Monaten beim Versuch ums Leben gekommen, von Westafrika aus auf die Kanarischen Inseln zu gelangen.

Madrid/Nouakchott/Bari - Zwei Bootsunglücke am Wochenende mit insgesamt 45 Toten seien keine Einzelfälle gewesen, sagte der Präfekt der Kanaren, José Segura, am Dienstag dem spanischen Radiosender Cadena SER. Der Zustrom von illegalen Einwanderern habe in letzter Zeit stark zugenommen.

Die Hilfsorganisation Roter Halbmond im westafrikanischen Wüstenstaat Mauretanien sprach von 1200 bis 1300 Toten in den vergangenen vier Monaten. Am Wochenende waren innerhalb von 48 Stunden vor der Küste Mauretaniens bei zwei Bootsunglücken 45 Afrikaner im Atlantik ertrunken. 43 Flüchtlinge konnten gerettet werden. Am Dienstag drohte ein weiteres Boot mit 40 Flüchtlingen an Bord im Sturm zu kentern.

Nach Angaben des spanischen Rundfunks bestand nur wenig Hoffnung, die Insassen lebend zu bergen. Der Sturm und die sechs Meter hohe Wellen machten einen Rettungseinsatz praktisch unmöglich. Ein italienischer Kutter hatte das Flüchtlingsboot entdeckt und die Küstenwache alarmiert. Die Kanaren erleben in letzter Zeit einen Zustrom von illegalen Einwanderern aus Afrika. Allein am Wochenende gelangten über 200 Afrikaner mit mehreren Booten auf die Inselgruppe.

Die jüngsten Bootsunglücke deuten nach Ansicht von Beobachtern darauf hin, dass die Menschenschieber-Banden, die die lebensgefährlichen Bootsfahrten organisieren, von Marokko aus weiter nach Süden auf Mauretanien ausgewichen sind. Der Grund dürften die verstärkten Kontrollen der marokkanischen Küstenwache sein. Durch das Ausweichen auf Mauretanien werden die Überfahrten zu den Kanaren noch länger und gefährlicher.

In Italien sind drei vermutlich aus Mazedonien stammende Flüchtlinge auf einer Fähre in einem Container erstickt. Die italienische Polizei entdeckte die Leichen am Montagabend auf einem Lastwagen im Adriahafen Bari. Der Lkw mit den Containern war am Vortag im albanischen Durazzo auf die Fähre gekommen. Wie die italienischen Behörden in Bari mitteilten, wollten die Männer vermutlich als illegale Einwanderer nach Italien einreisen. (tso/dpa)

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