EU-Parlament : "Unverfrorener" Bulgare beleidigt Roma-Abgeordnete

Mit rassistischen und sexistischen Äußerungen über die ungarische Roma-Abgeordnete Livia Jaroka hat ein bulgarischer Parlamentarier im Europaparlament für einen Eklat gesorgt.

Straßburg - Der Chef der Europäischen Volkspartei (EVP), Hans-Gert Pöttering (CDU), forderte Bulgarien auf, den Abgeordneten der ultra-nationalistischen Ataka-Partei, Dimitar Stojanow, aus dem Parlament abzuziehen. Seine Fraktionskollegin Doris Pack, Vorsitzende der EVP-Frauengruppe, sprach von "unverfroren sexistischen und rassistischen Äußerungen".

Stojanow, der seit einem Jahr im Europaparlament einen Beobachter-Status hat, hatte am Donnerstag an alle Europaabgeordneten eine Mail geschickt. Darin protestierte er gegen den Vorschlag einer in Brüssel erscheinenden Parlamentszeitung, Livia Jaroka, der "ersten Roma-Frau, die ins Europaparlament gewählt wurde", den diesjährigen Preis der "besten EU-Abgeordneten" zuzuerkennen. In seiner Mail schrieb der Bulgare unter anderem, in seinem Land gebe es "Tausende von Zigeunermädchen", die viel hübscher seien als Jaroka. Wer wolle, könne sie kaufen, "für 5000 Euro das Stück".

"Unerträglicher" Vorgang

"Ich erwarte, dass dieser Mann aus dem Europaparlament abgezogen wird", sagte Pack. Es sei "unerträglich", dass ein Land, das im Januar der EU beitreten solle, "solche Leute als Beobachter entsendet". Im Europaparlament nehmen seit September vergangenen Jahres 18 bulgarische und 35 rumänische Abgeordnete als Beobachter an den Sitzungen teil. Sie sollen sich auf diese Weise rechtzeitig vor dem Beitritt der beiden Länder, der für Januar geplant ist, mit den Arbeiten der EU-Volksvertretung vertraut machen. Die Beobachter werden von den nationalen Parlamenten als Delegierte entsandt.

Daher sei es Sache des Parlaments in Sofia, die Konsequenz zu ziehen und Stojanow aus der Beobachter-Delegation auszuschließen, sagte ein Sprecher des Europaparlaments. Jaroka wurde im Mai 2004 ins Europaparlament gewählt, wo sie der EVP-Fraktion angehört. Sie versteht sich als Repräsentantin der mehr als zehn Millionen Sinti und Roma, die in der EU leben. (tso/AFP)

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