EU-Präsident : Briten streiten über EU-Amt für Blair

Tony Blair selbst hat seine Kandidatur für den neuen Job eines "EU-Präsidenten" noch gar nicht bestätigt – anders als Luxemburgs Ministerpräsident und "Blairgegenkandidat" Jean-Claude Juncker. Doch nicht einmal in Luxemburg wird so eifrig gegen Blair gekämpft wie in seinem eigenen Land.

Matthias Thibaut

LondonTony Blair selbst hat seine Kandidatur für den neuen Job eines „EU-Präsidenten“ noch gar nicht bestätigt – anders als Luxemburgs Ministerpräsident Jean-Claude Juncker, der sich am Dienstag offiziell als „Blair-Gegenkandidat“ positionierte. Aber zu Hause in Großbritannien verdrängt die Diskussion um „Präsident Blair“ nun sogar den Spesenskandal aus den Schlagzeilen. Labour-Abgeordnete, die seinerzeit gegen den Irakkrieg waren, nehmen Blairs Chancen so ernst, dass sie eine Parlamentspetition aufsetzen, in der Blair „aufgrund seiner außenpolitischen Bilanz als völlig ungeeignet“ für das Amt bezeichnet wird.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy dürften bei ihrem Abendessen am Mittwoch in Paris auch britische Angebote rund um die künftigen EU-Spitzenposten erörtert haben: Die Londoner Regierung schickt den international bekannten Blair, derzeit unter anderem diplomatischer Sonderbeauftragter des Nahost-Quartetts, ins Rennen um das Amt des EU-Präsidenten. Dafür würde Deutschland dem Londoner Gedankenspiel zufolge den EU-Außenminister und Frankreich einen der einflussreichen Brüsseler Wirtschaftskommissare stellen können. Sarkozy, der einen starken Kandidaten will, nannte Blair schon vor mehreren Jahren als Wunschkandidaten.

Der britische Außenminister David Miliband eröffnete die Werbekampagne für Blair am Sonntag, als er den ehemaligen britischen Regierungschef in einem BBC-Interview als den Mann bezeichnete, den die EU brauche. „Er würde in den Hauptstädten den Verkehr zum Stillstand bringen.“

Doch nicht einmal in Luxemburg wird so eifrig gegen Blair gekämpft wie in seinem eigenen Land. Gerade weil Blair das Amt des EU-Präsidenten mit Gewicht füllen würde, wird er von den Konservativen scharf abgelehnt. „Wir wollen keinen europäischen Präsidenten“, sagte Tory-Chef David Cameron. Wenn es sich nicht vermeiden lässt, will er lieber einen blassen Vorstandssprecher als einen „singenden, tanzenden, schauspielernden Präsidenten“ wie Blair, sagte er.

Todernst meinte es der Tory-Chefaußenpolitiker William Hague, als er Diplomaten warnte, die Tories würden Blairs Ernennung als „feindlichen Akt“ sehen. Berichten zufolge hat die Flüsterkampagne der Tories Wirkung in Europa – auch in Berlin. Matthias Thibaut

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