EU-Reformvertrag : Iren lassen Europa weiter zittern

Am Donnerstag wird in Irland über den Lissabonner EU-Reformvertrag entschieden. Aktuelle Umfragen scheinen Anlass zur Hoffnung zu geben, doch das "Ja" beim irischen Referendum bleibt unsicher.

Martin Alioth

EU-PolitikDublin - Die vermutlich letzte Meinungsumfrage vor dem irischen Referendum am Donnerstag über den Lissabonner EU-Reformvertrag schien den Befürwortern wieder Grund zur Hoffnung zu geben: Die irische Zeitung "Sunday Business Post" gibt den Gegnern 39 Prozent der Stimmen, den Befürwortern 42 Prozent. Wenn nur jene gezählt werden, die "sicher" an der Abstimmung teilnehmen wollen, erhöht sich der Vorsprung der Ja-Stimmen sogar auf 46 zu 37 Prozent.

Auf den ersten Blick bildet diese Umfrage also einen Knick im bisherigen Trend ab, der Freitag zuvor in der "Irish Times" den Gegnern eine Mehrheit von 35 zu 30 Prozent verhieß – was nicht nur in Irland große Nervosität auslöste. Doch bei näherer Prüfung stellt sich heraus, dass die eben erst veröffentlichten Resultate zum Teil älter sind als der Schnappschuss zuvor: die Wählerbefragungen begannen nämlich schon früher, bilden also mindestens teilweise eine ältere Stimmung ab. Es ist folglich denkbar, dass es wenig Grund für die hoffnungsfrohe Botschaft für die irische Regierung und die großen Oppositionsparteien gibt, die allesamt eine Ratifikation des Vertrags empfehlen. Diese Interpretation wird gestützt durch die Tatsache, dass die Gegner in der am Sonntag veröffentlichten Umfrage viel größere Zugewinne aus dem Lager der Unentschlossenen verbuchen konnten als die Anhänger des Vertrags. Verglichen mit der Erhebung vor zwei Wochen wanderten sechs Prozent zu den Gegnern ab, nur ein Prozent entschied sich für ein Ja.

Die Wahlbeteiligung entscheidet

Ausschlaggebend für das tatsächliche Resultat wird die Wahlbeteiligung sein; es ist durchaus denkbar, dass die Zitterpartie den Bürgersinn der Befürworter wach kitzelt. Die Regierungspartei Fianna Fáil hat nun ihren Mitgliedern und Abgeordneten eingeheizt, das Plebiszit mit einem beherzten Endspurt zu retten. Die Besucher sämtlicher katholischen Gottesdienste wurden übers Wochenende von Parteivertretern bearbeitet, Premierminister Brian Cowen tingelt ununterbrochen durch die Lande. Veteranen der irischen Europapolitik warnen vor empfindlichen Konsequenzen für Irland, falls das kleine Land, das als einziges über den EU-Vertrag abstimmen lässt, das Projekt torpediere.

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