EU-Verteidigung : Frankreich verkleinert Armee

Frankreich verkleinert seine Armee stärker als bisher angenommen. Die Franzosen verlassen sich auf die Ausweitung der EU-Verteidigung.

ParisFrankreich will seine Armee angesichts des angestrebten Ausbaus der EU-Verteidigung um 54.000 Mann und damit weitaus stärker als bisher erwartet verkleinern. Das Weißbuch zur Armee-Reform sehe die Streichung von 54.000 Stellen in den kommenden sechs bis sieben Jahren vor, hieß es am Montag aus Regierungskreisen in Paris. Staatspräsident Nicoals Sarcozy will am Dienstag die Armeereform offiziell vorstellen, durch die 17 Prozent der 320.000 Stellen bei Soldaten und Zivilbeschäftigten wegfallen.

Die Stellenstreichungen sind die stärksten seit dem Jahr 2001, als Frankreich das Ende der Wehrpflicht durchsetzte. Im April hatte Verteidigungsminister Hervé Morin noch von einer Verringerung um 42.000 Mann gesprochen. "Unser militärisches Werkzeug muss sich an die Globalisierung und neue Bedrohungen anpassen", schrieb er nun in einem Gastbeitrag für die Zeitung "Le Monde" (Dienstagausgabe). Frankreich wird demnach künftig noch 30.000 Mann für Auslandseinsätze bereithalten anstatt wie bisher 50.000. Wie sich das auf die Auslandseinsätze der Franzosen auswirkt, ist nicht bekannt.

Konkrete Pläne für die europäische Verteidigung

In dem Weißbuch werden auch die Weichen für eine vollständige Eingliederung Frankreichs in die Nato gestellt. Das Land war nach dem Aufstieg zur Atommacht 1966 aus dem Atlantischen Bündnis ausgestiegen und nach dem Ende des Kalten Krieges nur teilweise zurückgekehrt. Allerdings machte Sarkozy eine vollständige Nato-Integration von einer Stärkung der europäischen Verteidigung abhängig. Laut dem Verteidigungsministerium sieht Paris jedoch seine Pläne für eine stärkere europäische Militärzusammenarbeit auch nach dem "Nein" der Iren zur EU-Reform nicht gefährdet. Aus diesem Grund werde die irische Volksabstimmung auch die Pläne für die französische EU-Ratspräsidentschaft kaum beeinflussen.

Der französische Europastaatsekretär Jean-Pierre Jouyet erklärte Anfang des Monats, Paris wolle während seiner Ratspräsidentschaft "konkrete Ziele" für die europäische Verteidigung in den kommenden zehn Jahren setzen. Er nannte dabei unter anderem eine gemeinsame europäische Luft- und Seekampftruppe und eine gemeinsam genutzte Flotte von Transportflugzeugen vom Typ Airbus A400-M. Zudem will Frankreich ein gemeinsames europäisches Militärhauptquartier und eine enge Zusammenarbeit bei der Offiziersausbildung nach dem Beispiel des europäischen "Ersasmus"-Programmes. Damit stößt es jedoch bei Großbritannien bisher auf Ablehnung. (jg/afp)

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