Politik : EU warnt Berlin vor Kohlestrom

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Berlin - Nach der Vorstellung des Weltklimaberichts hat die EU-Kommission eindringlich vor dem Bau neuer Kohlekraftwerke in Deutschland gewarnt. „Braunkohle ist die ungünstigste Wahl“, sagte EU-Umweltkommissar Stavros Dimas der „Bild am Sonntag“. „Wer heute noch neue Kohlekraftwerke baut, muss sich im Klaren sein, dass eine solche Politik uns alle langfristig teuer zu stehen kommt.“ Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) wies diese Kritik zurück. „Wir können nicht gleichzeitig aus der Kernenergie und der Kohle aussteigen“, sagte er.

Der Chef des Eon-Konzerns, Wulf Bernotat, bezweifelt den Sinn eines weiteren Energiegipfels mit der Kanzlerin. Er sagte der „Welt am Sonntag“: „So funktioniert das nicht. Kernenergie und Kohle lassen sich nicht in zwei Jahrzehnten durch CO2-freie Energieträger ersetzen.“

Der Parlamentarische Staatssekretär im Umweltministerium, Michael Müller, der bei den Beratungen des Weltklimarats (IPCC) in Bali beteiligt war, wies darauf hin, dass beim IPCC die Rolle der Atomkraft sehr umstritten gewesen sei. Dem Tagesspiegel am Sonntag sagte er, die Passage, der Anteil der Atomenergie an der Stromerzeugung könne von 16 auf 18 Prozent bis 2030 wachsen, sei auf „starken Druck der USA“ aufgenommen worden. „Die brauchten eine innenpolitische Legitimation, weil es auch dort keinen Konsens gibt.“ Er wies darauf hin, dass wegen des Klimawandels immer weniger Standorte infrage kämen. Wenn Flüsse weniger Wasser führen, lassen sich die Reaktoren nicht mehr kühlen.dpa/deh

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