Politik : EU warnt vor Bioterrorismus

Die Zahl der Lungenmilzbrandfälle in den USA steigt weiter. Der Bürgermeister von Washington, Anthony Williams, sagte am Dienstag, dass zwei Mitarbeiter der Post in der US-Hauptstadt am Vortag an Lungenmilzbrand gestorben sind. Diese Diagnose habe sich inzwischen bestätigt. Zwei weitere Mitarbeiter werden wegen Lungenmilzbrands in Washington behandelt. Zudem werde eine Postangestellte im US-Bundesstaat New Jersey in ernstem, aber stabilem Zustand im Krankenhaus behandelt, teilte der Epidemiologe der Gesundheitsbehörde von New Jersey, Eddy Bresnitz, am Dienstag mit. Die Ärzte gingen mit 95-prozentiger Sicherheit von Lungenmilzbrand aus.

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Trittbrettfahrer: Empfindliche Strafen Die Behörden ordneten für sämtliche Postangestellten in New Jersey und Washington - rund 10 000 Menschen - eine sofortige Antibiotika-Behandlung an. Die Krankenhäuser sind angewiesen, bei allen Patienten mit unklaren Symptomen auf Anthrax-Anzeichen zu achten. Zudem sollen alle Todesfälle, deren Ursache nicht zweifelsfrei feststeht, untersucht werden.

In Washington gerieten die Gesundheitsbehörden unterdessen in die Kritik. "Eine schnelle Reaktion für Politiker, eine langsame für Postarbeiter", titelte die "New York Times". Nach dem Auftauchen des Anthrax-Briefes bei dem Senator waren nur dessen Mitarbeiter, nicht aber die Postangestellten, die mit dem Brief in Berührung gekommen sein könnten, vorsorglich mit Antibiotika versorgt worden.

Europa ist nur nach Meinung der EU mangelhaft gegen Terroranschläge mit Viren geschützt. EU-Gesundheitskommissar David Byrne wies am Dienstag in Luxemburg vor dem Hintergrund der Milzbrand-Infektionen in den USA auf die möglichen Gefahren durch "Bio-Terrorismus" auch in der Union hin. Gleichzeitig regte er beim Treffen der EU-Agrarminister die Schaffung einer Gemeinschaftsagentur an, die die Maßnahmen gegen übertragbare Krankheiten wie Aids, Gelbsucht oder Typhus bündeln könnte.

Aufruf der Deutschen Post

Bonn (dpa). Mit einem Aufruf gegen die Angst will die Deutsche Post den Trittbrettfahrern der Milzbrand-Verunsicherung trotzen. Post-Chef Klaus Zumwinkel zitierte in einer ganzseitigen Anzeige in einigen Tageszeitungen am Dienstag die Mahnung des früheren US-Präsidenten Theodore Roosevelt: "Wir haben nichts zu fürchten als unsere Furcht." Der Konzern sehe sich verpflichtet, seine Kunden zu informieren und Panikmache entgegenzutreten, sagte eine Post-Sprecherin am Dienstag in Bonn. Die Post zählt täglich 72 Millionen Briefsendungen.

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