Euro-Debatte : Ist Schäuble näher an Kohl als an Merkel?

Angela Merkel ist durch Kohls Handeln und Unterlassen Kanzlerin geworden. Wie alles dieser Tage mit der Spendenaffäre und dem Rücktritt von Wolfgang Schäuble im Jahr 2000 zusammenhängt. Ein Kommentar.

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Gab Talenten eine Chance. Bundeskanzler Helmut Kohl mit Angela Merkel 1991.
Gab Talenten eine Chance. Bundeskanzler Helmut Kohl mit Angela Merkel 1991.Foto: dpa

Was hat nicht alles mit Helmut Kohl zu tun! Alles dieser Tage scheint auf ihn und seine lange Regierungszeit als Kanzler und CDU-Chef zurückzuverweisen. Dass im Bundestag über den Euro debattiert wird, ist auch sein Werk. Für Kohl war der Euro immer die andere Seite der Medaille deutsche Einheit. Und er wollte Kanzler bleiben, um sicherzugehen, dass der Euro tatsächlich kommt. Keinem traute er zu, das Thema so wie er zu besetzen und den Weg frei zu machen, in Fraktion, Union, Nation. Darin liegt einer der Gründe, warum Kohl am Ende nicht Platz machte für einen Kanzler Wolfgang Schäuble.

Merkel handelt, wie Kohl es nicht getan hätte

Eine Ironie der Geschichte: Die Euro-Geschichte, wie wir sie heute erleben, hängt damit zusammen, dass Kohls Spendenaffäre seinerzeit auch Schäuble traf. Gerade wird öffentlich – durch Schäubles Heimatsender SWR –, wie der in einer Dokumentation behauptet: Es gab keine Spender. Um später hinzuzufügen: Vielleicht gab es auch Spender. Will sagen: Hierüber wird noch zu reden sein, zu fragen auch, ob Schäuble doch mehr weiß. Das ist für die Historie wichtig – und für eine Einschätzung von Kohls Einstellung. Auch der zu Schäuble.

Schon jetzt lässt sich allerdings festhalten, wie alles dieser Tage mit Kohl und der Spendenaffäre und dem Rücktritt von Wolfgang Schäuble im Jahr 2000 zusammenhängt. Mit noch einer ironischen Wendung: Merkel ist durch Kohls Handeln und Unterlassen Kanzlerin geworden. Die Kanzlerin (in Europa so mächtig wie seinerzeit Kohl), die beim Euro handelt, wie Kohl es nicht getan hätte. Kohl, der Schäuble verhindert hat, weil er nur sich zutraute, den Euro zu schaffen. Den Schäuble, der als Schatzkanzler zum Lordsiegelbewahrer Europas wird. Mögen auch sonst Welten sie trennen, durch Animositäten und Kränkungen – im Fall Griechenland wird Schäuble mit seiner skeptischen Auffassung näher an Kohl sein als Merkel.

Schäuble - der Sphinxhafte

Wenn Schäuble richtig gedeutet wird, so sphinxhaft, wie er sein kann. So vielsagend bis vieldeutig, wie er bisweilen redet und damit Raum für Interpretation lässt. Damals und heute, zur Spendenaffäre wie zur Euro-Zone und zum „Grexit“.

Diese Tage werden aber in jedem Fall noch zum späteren Urteil über Kohl und sein Wirken beitragen.

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