Politik : Euro: Der Balkan nimmt Abschied von der Mark

Zoran Opra

Wer in Montenegro gleich nach dem 1.Januar seine Mark-Scheine in Euro umtauschen wollte, musste lange darauf warten. Die nach Unabhängigkeit strebende jugoslawische Teilrepublik hatte sich bereits vor zwei Jahren von der jugoslawischen Währung - dem Dinar - getrennt und die deutsche Mark eingeführt. Jetzt heißt es auch für die Montenegriner Abschied nehmen. "Die Mark ist gut gewesen, aber der Euro wird auch mächtig sein", tröstet eine Sprecherin der größten montenegrinischen Privatbank, der Komercijalna Banka.

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In den Geschäften fehlt jedoch noch das nötige Euro-Kleingeld, weshalb die meisten Kunden noch in Mark bezahlen. Aber die montenegrinische Zentralbank, die 30 Millionen Euro für den Umtausch angeschafft hat, will die Mark bis zum 31. März aus dem Verkehr ziehen. Bis dahin können Beträge bis zu 5000 Mark ohne Provision umgetauscht werden. Doch die meisten reichen Montenegriner hätten, so die Tageszeitung "Vijesti" aus Podgorica, ihre sechsstelligen Mark-Vermögen längst in Immobilien oder Devisen investiert. Vor dem Jahreswechsel herrschte in den Wechselstuben Montenegros große Nachfrage nach US-Dollar und Schweizer Franken. Viele Montenegriner legten ihr Geld jedoch auch aufs Sparbuch. Spareinlagen nahmen um 30 Prozent zu. Das halten die Banken für ein gutes Zeichen. Sie mussten jahrelang praktisch ohne Sparguthaben der Bevölkerung überleben, nachdem diese in der Milosevic-Ära beschlagnahmt und geplündert worden waren.

Auch in der UN-verwalteten Provinz Kosovo, wo die Mark ebenfalls offizielles Zahlungsmittel ist, machten die Banken gute Geschäfte. So wurden vor dem Jahreswechsel 936 Millionen Mark auf 980 000 Sparkonten eingezahlt. Die Finanzexperten vermuten jedoch, dass die Bevölkerung in Kosovo noch mehr als eine Milliarde Mark in ihren Sparstrümpfen verwahrt.

In Belgrad waren die neuen Scheine schon am ersten Euro-Tag in den Wechselstuben problemlos zu haben. In Serbien war die Mark die wichtigste Parallelwährung zum Dinar. Etwa fünf Milliarden Mark vermuten Experten noch in serbischen Haushalten. Nur ein kleiner Teil davon wurde zum gebührenfreien Euro-Umtausch auf die Bankkonten eingezahlt. Den Großteil dieses Geschäftes machten vier ausländische Banken, die im vergangenen Jahr von der jugoslawischen Zentralbank Lizenzen erhalten hatten.

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