Politik : Euro: Der erste Tag

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Europa hat eine neue Währung. Mit dem Jahreswechsel stellten zwölf von 15 Mitgliedern der EU auf das Euro-Bargeld um. Der Präsident der EU-Kommission, Romano Prodi, sagte, nun entstehe ein neues Europa, das eine große Rolle in der Welt spielen werde. Großbritannien, Dänemark und Schweden treten dem Euro nicht bei. Der Euro-Beauftragte der Bundesbank, Edgar Meister, rechnet damit, dass in wenigen Tagen 90 Prozent des D-Mark-Bargeldes zurückgeflossen sind. Bundesbankchef Ernst Welteke sagte, er rechne nicht mit breiten Preiserhöhungen. Verbrauchern rät er, "gegebenenfalls auf andere Anbieter auszuweichen".

Den beruhigenden Worten des Bundesbankpräsidenten und EZB-Direktoriumsmitgliedes trauen die Deutschen allerdings nicht unbedingt: Das Meinungsforschungsinstitut Forsa meldet, dass 83 Prozent der Deutschen jetzt eine Preissteigerungswelle befürchten.

Welteke warnte davor, vom Euro eine schnelle Erholung der Konjunktur zu erwarten. Die Geldpolitik habe zwar die "Voraussetzungen für Wachstum geschaffen" sagte er dem Tagesspiegel. "Was uns zur Zeit am meisten fehlt, ist Vertrauen und Zuversicht. Das gewinnt man nur mit einer klaren Reformorientierung der Wirtschaftspolitik."

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Ted: Der Euro - mehr Vor- oder mehr Nachteile? Ein Drittel der Bundesbürger deckte sich nach Umfragen der Bundesbank schon am Neujahrstag mit Euro ein. Schon in den vergangenen Tagen hätten sich die Bundesbürger in Rekordtempo von der Mark getrennt, sagte der Chef der Umstellungsleitstelle der Bundesbank, Peter Walter, dieser Zeitung. Das lasse sich an den Geldbeständen ablesen, die an die Bundesbank zurückgehen: "Täglich fließen bis zu zehn Milliarden Mark zurück", sagte Walter. Die Bundesbank schätze, dass noch rund ein Drittel der D-Mark-Bestände, 100 Milliarden D-Mark, bar gehortet werde. Bis Ende Februar kann noch mit der Mark bezahlt werden.

Pannen bei der Umstellung gab es kaum. Die Banken hätten die Auszahlung von Euro problemlos bewältigt, sagte Bundesbanker Meister. In den nächsten Tagen müsse sich nun zeigen, inwieweit auch im Handel die Währungsumstellung reibungslos verlaufe. Es gebe aber keinen Anlass zur Sorge, versicherte er. Warteschlangen müssten zwar in den nächsten sechs bis acht Wochen in Kauf genommen werden. Geschäftsleute könnten bei Bedarf zusätzliches Wechselgeld bei den Banken und Sparkassen erhalten. Für kleine Unternehmen des Einzelhandels habe die Bundesbank insgesamt fünf Millionen Packungen zu je 800 Euro vorbereitet, die bei den Kreditinstituten erworben werden können. Die Europäische Zentralbank stellte zur Einführung der neuen Währung im Euroraum insgesamt mehr als 15 Milliarden Banknoten und über 51 Milliarden Münzen im Wert von 646 Milliarden Euro bereit.

Auch in Berlin verlief die Umstellung weitgehend reibungslos. Bei den Sparkassen hoben in den ersten 30 Minuten des neuen Jahres rund 1000 Berliner insgesamt 200 000 Euro ab - weit mehr als von den Geldinstituten erwartet. Lediglich in einigen Filialen gab es enttäuschte Kunden: Ein geringer Teil der Geldautomaten kann erst heute oder morgen umgeschaltet werden.

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