Politik : Euro: Der letzte Tag der Mark

Mit dem Start ins neue Jahr beginnt in Europa der größte Geldumtausch in der Geschichte. Von Mitternacht an wird der Euro gesetzliches Zahlungsmittel für knapp 303 Millionen Europäer. Bundeskanzler Schröder (SPD) und der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Duisenberg, sprachen von einem historischen Moment und der Erfüllung eines Traums auf dem Weg zu einem geeinten Europa. Das Bundesfinanzministerium bestätigte unterdessen Berichte, wonach Einzelhändler nicht verpflichtet sind, die alte Währung vom 1. Januar an weiter zu akzeptieren.

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Ted: Der Euro - mehr Vor- oder mehr Nachteile? Der Euro gilt in zwölf Ländern der Europäischen Union. Nur Großbritannien, Dänemark und Schweden bleiben der Währungsunion vorerst fern. Deutschland verabschiedet sich nach mehr als 50 Jahren von der D-Mark. Bezahlt werden kann mit ihr noch bis zum 28. Februar. Allerdings ist nicht auszuschließen, dass einzelne Händler und Gaststätten schon vom 1. Januar an keine D-Mark mehr akzeptieren. Das Bundesfinanzministerium bestätigte am Sonntag einen zunächst von ihm dementierten Bericht der "Bild am Sonntag", dass es keine rechtliche Verpflichtung zur Annahme der alten Währung gibt. Der weit überwiegende Teil der Händler wird nach Angaben des Branchenverbandes HDE aber bis Ende Februar sowohl Mark als auch Euro einkassieren. Herausgegegeben werden soll aber nur noch das neue Geld.

Mit der Einführung des Euro zum 1. Januar wird nach den Worten von Bundeskanzler Schröder Geschichte geschrieben. In seiner am Sonntag in Berlin vorab veröffentlichten Neujahrsansprache sagte der Kanzler: "Wir erleben dann den Anbruch einer Zeit, von der die Menschen in Europa Jahrhunderte lang geträumt haben: grenzenlose Reise-Freiheit und Bezahlen in einer gemeinsamen Währung - in Euro und Cent." Mit der Mark sei die Erinnerung an gute Zeiten verbunden. "Aber Sie können sicher sein: noch bessere stehen bevor." Der Euro werde nicht schwächer sein als die "harte D-Mark". "Er ist die weltgrößte Währung neben dem Dollar. Hinter dem gemeinsamen Geld steht ein Wirtschaftsraum mit mehr als 300 Millionen leistungsfähigen und kreativen Menschen in Europa".

EZB-Präsident Wim Duisenberg schrieb in einem Beitrag für die "Welt am Sonntag", die EZB und die nationalen Zentralbanken des Euroraums hätten alles in ihrer Macht Stehende getan, um den Erfolg dieses historischen Projekts sicherzustellen. Zugleich kritisierte er das Reformtempo in Europa, vor allem in Deutschland. Es sei problematisch, "wenn die mit Abstand größte Volkswirtschaft in der Euro-Zone bei wichtigen Strukturreformen hinterherhinkt".

Am Silvestertag kann es wegen der Euroumstellung aber zu Engpässen bei Banken und Tankstellen kommen. So schalten viele Geldinstitute ihre Geldautomaten für die Umrüstung für mehrere Stunden ab. Auch viele Tankstellen schließen am Montag um 21 Uhr und öffnen erst wieder um 1 Uhr.

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