Politik : Euro: Die Queen nimmt nur Pfund und Pennies

Albrecht Meier

Das Baby, witzelten britische Medien, könnte doch vielleicht den Namen "Prudence" tragen. "Prudence" ist nicht nur ein traditioneller britischer Vorname, sondern steht auch für "Vorsicht" und gehört deshalb zu den Wörtern, die der Euro-skeptische Insel-Schatzkanzler Gordon Brown immer wieder gerne benutzt. Am Freitag ist Gordon Brown, dem im Gegensatz zu Tony Blair lange der Ruf eines verschrobenen Junggesellen anhing, nun Vater einer Tochter geworden. Brown und seine Frau entschieden sich aber gegen den Ratschlag der Medien. Statt "Prudence" wollen sie ihre Tochter Jennifer Jane nennen.

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Ted: Der Euro - mehr Vor- oder mehr Nachteile? Während sich künftig im Privatleben des Schatzkanzlers einiges ändert, dürfte der Politiker Brown aber an seiner abwartenden Haltung gegenüber der europäischen Gemeinschaftswährung festhalten: Fünf ökononische Tests, so hat der Labour-Politiker immer wieder beteuert, muss das neue Geld bestehen, bevor es in Großbritannien eingeführt wird.

Allerdings dürfte die Tatsache, dass die Bürger in Euroland ab Neujahr tatsächlich mit Euro bezahlen werden, auch die Diskussion über einen britischen Beitritt zur Gemeinschaftswährung voranbringen. Der Euro, sagte der britische EU-Kommissar Neil Kinnock der "Sunday Times", werde in kurzer Zeit zur "Zweitwährung" in Großbritannien werden. Innerhalb von sechs Wochen, ist sich Kinnock sicher, werde der Euro im Handel auf der Insel genauso akzeptiert werden wie das Pfund.

Für Kinnocks Voraussage spricht, dass große Supermarktketten wie "Selfridges", aber auch das Londoner Nobel-Kaufhaus "Harrods" den Euro akzeptieren wollen. Seit drei Monaten macht die Bank von England im abgeschiedenen Loughton außerhalb von London Mitarbeiter mit dem Euro und seinen Sicherheitsmerkmalen vertraut. Das Anschauungsmaterial erhielten die Briten von der Europäischen Zentralbank in Frankfurt. Aufgabe der so geschulten "Euro-Trainer" ist es, den Handel auf die ersten Euro-Scheine vom Kontinent vorzubereiten.

Zur Vorbereitung auf den "E-Day" - den Tag der Euro-Einführung - haben britische Firmen mehrere Millionen Pfund ausgegeben. Allein die Kaufhaus-Kette "Marks & Spencer" hat acht Millionen Pfund investiert. "Die großen Firmen sind gut vorbereitet", sagt John Townend, Leiter der Europa-Abteilung bei der Bank von England. Ketten wie "Body Shop" oder "Habitat" werden die neue Währung ab Neujahr annehmen. Die Banken rechnen mit dem ersten Run auf die neuen Scheine, sobald die Währungsumstellung auf dem Kontinent ins Bewusstsein der britischen Touristen gedrungen ist.

Townend bezweifelt allerdings, dass der Euro künftig neben dem Pfund flächendeckend als Zweitwährung fungieren wird. Nur in britischen Großstädten und Tourismus-Gebieten dürfte der Euro zirkulieren, schätzt der Mann von der englischen Zentralbank. Auf Wunsch von Königin Elizabeth II. soll an den Touristenkassen des Buckingham-Palastes und von Schloss Windsor lediglich das Pfund Sterling als Zahlungsmittel akzeptiert werden. Wie schwer es fremde Banknoten in England haben können, mussten bis vor wenigen Jahren selbst England-Urlauber aus Schottland erleben, deren schottische Pfund-Noten in London zurückgewiesen wurden.

Und auch die britische Presse macht wieder Stimmung gegen den Euro: Die neuen Münzen, berichtete der "Observer" pünktlich zum "E-Day", könnten nach dem Ergebnis einer Untersuchung österreichischer Ärzte wegen ihres hohen Nickel-Gehaltes zu Hautausschlägen führen.

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