Politik : Euro holt den Dollar ein

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Berlin (brö). Der Euro hat zum ersten Mal seit Ende Februar 2000 mit dem US-Dollar gleichgezogen und ist weiter im Aufwärtstrend. Auf den Devisenmärkten wurde die europäische Einheitswährung am späten Montagnachmittag mit 1,006 Dollar gehandelt. Als Grund für den anhaltenden Aufwärtstrend nannten Experten in erster Linie den Vertrauensverlust der Investoren in die amerikanischen Finanzmärkte. Schuld daran sind die Bilanzskandale bei mehreren US-Unternehmen, die zuletzt für starke Turbulenzen gesorgt hatten. Auch der hohe Finanzbedarf der US-Wirtschaft ist für diese Entwicklung verantwortlich.

Seinen absoluten Tiefststand hatte der Euro im Oktober 2000 mit 0,8225 Dollar erreicht. Seit Ende Januar dieses Jahres ist der Euro indes um rund 15 Prozent im Verhältnis zum Dollar gestiegen. Allein am Montag legte die Währung in raschem Tempo etwa eineinhalb Cent zu. Die Europäische Zentralbank (EZB) wollte die jüngsten Entwicklungen am Devisenmarkt nicht kommentieren. Händler halten einen baldigen Anstieg auf 1,02 Dollar für möglich. Während Bundeswirtschaftsminister Werner Müller (parteilos) die Parität als grundsätzlich positiv bewertet, reagierten Vertreter der Wirtschaft deutlich skeptischer auf den anhaltenden Kursanstieg. Ein starker Euro kommt einerseits der Wirtschaft entgegen, weil er die Importe und Auslandsreisen verbilligt. So dürften die Preise für Benzin und Treibstoffe in naher Zukunft sinken und die Inflationsrate zurückgehen. Andererseits verteuert ein hoher Kurs des Euro die Exporte, die für die deutsche Wirtschaft besonders wichtig sind. Vor allem das Tempo des Euro-Anstiegs halten Experten für problematisch, weil sich die Unternehmen nicht rechtzeitig auf die neuen Bedingungen einstellen können.

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