Euro-Krise : Athen fürchtet "unkontrollierte Zahlungsunfähigkeit"

05.01.2012 17:18 Uhrvon
Kommt die Pleite? Foto: dpa
Kommt die Pleite? - Foto: dpa

Bis März benötigt Griechenland eine Kreditrate von 89 Milliarden Euro. Premier Papademos befürchtet die Pleite, wenn das Geld nicht überwiesen wird.

Wenige Tage vor dem Beginn der Verhandlungen über neue Hilfskredite hat der griechische Ministerpräsident Lucas Papademos eindringlich vor einer drohenden Staatspleite gewarnt und die Griechen zu Lohnverzicht aufgerufen. Sollten die Verhandlungen scheitern, stehe das Land bereits im März „vor dem unmittelbaren Risiko eines ungeordneten Zahlungsausfalls“, sagte Papademos im Gespräch mit Vertretern der Gewerkschaften und der Wirtschaftsverbände laut einer vom Büro des Ministerpräsidenten verbreiteten Mitschrift.

Am Montag werden die Vertreter der EU-Kommission, des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Europäischen Zentralbank in Athen erwartet. Bei den Gesprächen mit der so genannten Troika geht es laut Papademos um einen „glaubwürdigen konjunkturellen Anpassungsplan für 2012 bis 2015“. Das neue Spar- und Reformprogramm ist Voraussetzung für die Auszahlung der Ende Oktober beim EU-Gipfel beschlossenen neuen Hilfskredite für Griechenland. Das Paket umfasst 130 Milliarden Euro. Die erste Kreditrate von 89 Milliarden benötigt Athen spätestens im März.

Griechischen Medienberichten zufolge verlangt die Troika jetzt unter anderem die Abschaffung des Mindestlohns, der 751 Euro monatlich beträgt, Einschnitte beim Urlaubs- und Weihnachtsgeld sowie die Streichung des 13. und 14. Monatsgehalts. Auch weitere Rentenkürzungen stehen bevor. „Wir können von den anderen EU-Staaten und den internationalen Organisationen nicht erwarten, dass sie einem Land weitere Kredite geben, das sich nicht den Realitäten stellt und mit seinen Problemen auseinandersetzt“, sagte Papademos. Die Griechen müssten jetzt kurzfristig eine Minderung ihrer Einkommen hinnehmen, um die Wirtschaft des Landes wieder wettbewerbsfähig zu machen, erklärte der Ministerpräsident.

Trotz der Warnungen des Premiers sind die Gewerkschaften jedoch nicht zum Lohnverzicht bereit. „Wir weichen keinen Schritt zurück“, erklärte der Chef des Gewerkschaftsbundes GSEE, Giannis Panagopoulos, nach dem Treffen mit Papademos. Für den 17. Januar haben zahlreiche Gewerkschaften zu landesweiten Streiks aufgerufen.

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