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Euro-Krise : Verschobene Griechenland-Hilfe drückt Dax in Minus

Weil die sogenannte Troika die griechischen Sparbemühungen länger prüfen will, muss Athen länger um die nächsten Hilfsgelder zittern. Anlegern an der Frankfurter Börse verdirbt die Entscheidung der Eurogruppe die Laune.

Die Euro-Finanzminister vertagen die Bewilligung einer neuen Tranche der Hilfen für Griechenland.
Die Euro-Finanzminister vertagen die Bewilligung einer neuen Tranche der Hilfen für Griechenland.Foto: dpa

Nach der Entscheidung der Euro-Finanzminister, die nächste Tranche der Griechenland-Hilfe später auszuzahlen, ist die Börse in Frankfurt mit Verlusten gestartet. Nach dem schwachen Feiertagshandel rutschte der deutsche Leitindex Dax am Dienstag zunächst mehr als zwei Prozent ins Minus. Besonders deutliche Kursrückgänge verzeichneten die Finanzwerte. Deutsche Bank und Commerzbank verbilligten sich um 3,2 beziehungsweise 2,9 Prozent. Die Euro-Länder ziehen laut Jean-Claude Juncker eine stärkere Beteiligung der Banken am zweiten Rettungspaket für Griechenland in Betracht.

Eurogruppenchef Juncker hatte nach stundenlangen Gesprächen am frühen Dienstagmorgen in Luxemburg mitgeteilt, die für den 13. Oktober geplanten Beratungen der Euro-Finanzminister über die Freigabe der Tranche in Höhe von acht Milliarden Euro seien abgesagt. Bis zu diesem Termin seien die notwendigen Prüfungen nicht zu schaffen. Der luxemburgische Regierungschef zeigte sich jedoch zuversichtlich, dass Griechenland die Voraussetzungen für die Auszahlung der nächsten Kreditrate erfüllen wird.

Die Entscheidung über die Freigabe der Gelder soll Juncker zufolge nun bis Ende Oktober fallen. Ohne weitere Milliarden-Hilfen ist Griechenland demnächst pleite. Belgiens Finanzminister Didier Reynders sagte, Athen brauche „in der zweiten Novemberwoche“ neues Geld.

Die Troika-Experten von EU-Kommission, Internationalem Währungsfonds (IWF) und Europäischer Zentralbank (EZB) sind nach einer Unterbrechung wegen Unzufriedenheit mit den griechischen Sparbemühungen inzwischen wieder in Athen. Ihr positives Zeugnis für die Sparbemühungen ist die Voraussetzung für jede weitere Überweisung.

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Griechenland hatte jedoch am Vorabend des Luxemburger Treffens erklären müssen, dass die mit den Gläubigern vereinbarten Sparziele nicht erreicht werden: Die Regierung in Athen erwartet inzwischen für 2011 ein Haushaltsdefizit von 8,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts statt der ursprünglich angestrebten 7,4 Prozent.
Einen Erfolg gab es nach dem Luxemburger Treffen aber zu vermelden: Der Streit um das "Finnen-Pfand" im Rahmen des zweiten Hilfspakets für Griechenland ist beigelegt. Zwar bekommt Finnland eine Sicherheit für seine Kredite, muss dafür aber schlechtere Bedingungen wie niedrigere Zinsen für seine Hilfskredite als die anderen Euro-Länder hinnehmen, die auf eine Gegenleistung Griechenlands verzichten.

Neue Unklarheit herrscht dagegen über die anvisierte Beteiligung von Banken beim zweiten Hilfspaket für Griechenland, diese soll womöglich nach oben geschraubt werden. Das zweite Paket war im Juli von den Euro-Ländern beschlossen worden und sieht unter anderem vor, dass sich auch private Gläubiger wie Banken und Versicherungen mit Milliardensummen an der Bewältigung der Schuldenkrise beteiligen. Womöglich sollen die privaten Gläubiger nun mehr beitragen als damals geplant: Die Ausgangsposition habe sich seit dem Juli-Beschluss geändert, sagte Juncker.

Wegen der verschobenen Entscheidung zu den Hilfen für Athen gingen die Börsen in Asien am Dienstag auf Talfahrt. Auch der Euro gab nach und fiel gegenüber dem japanischen Yen auf den schwächsten Wert seit zehn Jahren. Angesichts dieser Entwicklungen drängt die japanische Regierung auf schnelle Hilfen für Griechenland. "Das Gefühl der Unsicherheit (auf den Finanzmärkten) kann nur verschwinden, wenn die Euro-Staaten klar machen, dass sie die Hilfen für Griechenland schnell umsetzen wollen", sagte Finanzminister Jun Azumi in Tokio. (AFP)

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