Politik : Euro: Spanien: Nur Bankräuber nehmen das neue Geld

Ralph Schulze

Spanien startet mit erheblichen Schwierigkeiten ins Euro-Jahr. Am ersten Arbeitstag, an dem Geschäfte und Banken öffneten, zeigte sich, dass die Vorbereitung auf die Währungsumstellung offenbar ungenügend war. Die "Euroforia", welche die Zentralbank von Spanien ausmachte, wich am Mittwoch Ernüchterung: Riesige Warteschlangen vor Banken, pesetenspuckende Geldautomaten, keine Euros bei vielen Kleinhändlern und Kundennepp im großen Stil bei der Umrechnung der Preise.

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Ted: Der Euro - mehr Vor- oder mehr Nachteile? Der Euro "ist die beste Waffe der Zukunft", jubelte Spaniens konservativer Regierungschef Jose Maria Aznar, doch diese Waffe wandte sich zunächst gegen die spanischen Verbraucher. Hatten sie doch Probleme, ihre Pesetas, die noch bis Ende Februar als Zahlungsmittel gelten, überhaupt gegen Euro einzutauschen. "Ich bin an acht Geldautomaten vorbeigelaufen und keiner zahlte die neue Währung aus. Auch die Geschäfte geben kein Rückgeld in Euro", schildert Marta, eine Angestellte in der spanischen Hauptstadt, ihren ersten Euro-Hürdenlauf.

Spaniens Kleinhändlerverband berichtet, dass die Mehrheit der Kunden weiter in Pesetas bezahlen. Und dies nicht nur mangels Euro-Geld. Sondern auch, weil der Friseur, das Mittagsmenü oder die Metrofahrkarte in Pesetas wesentlich billiger sind: Öffentliche wie private Unternehmen nutzten den Währungswechsel zu einem kräftigen Schluck aus der Preispulle. Ein Baguette zum Beispiel, so rechnen Verbrauchergruppen vor, kostet in Euro bis zu 50 Prozent mehr.

In dem Dorf Fuentesauco wurden die Europa-Geldscheine aus einem anderen Grund knapp: Zwei Maskierte verübten den ersten Bankraub des Jahres in Spanien und erbeuteten 90 000 Euro.

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