Politik : Euro: Votum der Dänen beeindruckt die Währung nicht

Der befürchtete Absturz des Euro nach dem Nein der Dänen zum Euro-Beitritt ist am Freitag überraschend ausgeblieben. Die internationalen Märkte reagierten gelassen auf das Ergebnis des Referendums. Der Referenzkurs wurde bei 0,8765 Dollar festgelegt. Aus Furcht vor Spekulationen gegen die dänische Krone erhöhte die Zentralbank ihren Leitzins um 0,5 Prozentpunkte. Wirtschaftsverbände bedauerten die Entscheidung der Dänen, den Euro nicht einzuführen.

Wim Duisenberg, Präsident der Europäischen Zentralbank, sagte, die dänische Bevölkerung habe "entschieden, sich der Vorteile des Euro zu berauben". Der Euro hätte seiner Meinung nach Dänemark ein stärkeres Wachstum und höheren wirtschaftlichen Wohlstand gebracht. Duisenberg begrüßte die Entscheidung Kopenhagens, die Bindung der dänischen Krone an den Euro mit einer geringen Schwankungsbreite beizubehalten. Damit werde auch die Krone "von der Hilfe der EZB auf den Märkten profitieren". Für die dänische Wirtschaft sei die Entscheidung gegen den Euro "eine sehr schlechte Nachricht", sagte Joergen Hansen vom dänischen Industrieverband. Die Wirtschaft müsse nun mit steigenden Zinsen rechnen, Dänemark insgesamt werde in Europa an politischem Einfluss verlieren.

"Dem Euro fällt kein Zacken aus der Krone", erklärte der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Hans-Olaf Henkel, in Berlin. Allerdings müssten sich alle Regierungen in der EU fragen lassen, ob sie die Vorteile der gemeinsamen Währung und einer vertieften Zusammenarbeit in der EU überzeugend dargestellt hätten. Der Bundesverband Öffentlicher Banken Deutschlands (VÖB) teilte in Berlin mit, die mit "starken Imageproblemen kämpfende Gemeinschaftswährung hätte einen positiven Impuls durch den Beitritt eines wirtschaftlich starken Partners gebraucht". Auch hätte ein Ja der Dänen zum Beitritt die noch ausstehenden Volksbefragungen in Schweden und Großbritannien günstig beeinflussen können. Der Deutsche Industrie- und Handelstag (DIHT) rechnet mit einer fortdauernden Schwäche des Euro-Außenwertes, wenn sich an den Devisenmärkten die Auffassung durchsetzen sollte, dass der Euro nur noch für schwache Länder interessant sei. Auch der Präsident des Bundesverbandes des Deutschen Groß- und Außenhandels (BGA), Michael Fuchs, sah vor allem ein Vermittlungsdefizit der Politik als Grund für das Scheitern des Euro in Dänemark: "Über die Gemeinschaftswährung wurden die Bürger der Europäischen Union bis heute zu wenig aufgeklärt", erklärte Fuchs. "Die Europäische Union muss hier dringend nacharbeiten, um den politischen Schaden aus der Abstimmungsniederlage zu begrenzen." Für den Chef der volkswirtschaftlichen Abteilung der Deutschen Bank, Axel Siedenberg, ist hingegen die Ruhe an den Devisenmärkten "ein Zeichen, wie gefestigt die Europäische Währungsunion schon ist".

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