Politik : "Eurobarometer": Die Hälfte der EU-Bürger spricht keine Fremdsprache

Knapp die Hälfte aller Bürger in den EU-Ländern beherrscht keine Fremdsprache. Wie die für Bildung und Kultur zuständige EU-Kommissarin Viviane Reding am Montag bei der Eröffnung des "Europäischen Jahres der Sprachen" in der schwedischen Stadt Lund mitteilte, ergab eine neue Erhebung mit 16 000 Befragten in allen 15 EU-Ländern, dass 47,3 Prozent ausschließlich ihre Muttersprache sprechen.

Ganz unten in der Skala der Fremdsprachen landeten dabei die Briten, von denen sich zwei Drittel (65,9 Prozent) keiner anderen Sprache als des Englischen bedienen können. Die besten Fremdsprachenkenntnisse wiesen Redings Landsleute in Luxemburg auf. Dort sprechen nur 2,2 Prozent nicht mindestens zwei Sprachen.

Deutschland lag mit einer Quote von 42,8 Prozent noch über dem EU-Durchschnitt der Fremdsprachen-Abstinenzler. Reding sagte: "Es ist ermutigend, auch wenn noch viel Arbeit geleistet werden muss, bis früher oder später jeder junge Europäer, der die Schule verlässt, neben seiner Muttersprache zwei weitere Sprachen spricht." Die EU will mit Veranstaltungen und Initiativen zum Jahr der Sprachen sowohl die Verbreitung von Fremdsprachenkenntnissen als auch die Sprachenvielfalt innerhalb der EU fördern.

Wie die Ergebnisse des im Dezember erschienenen "Eurobarometers" weiter zeigten, ist Englisch die eindeutig dominierende Fremdsprache, die von 41 Prozent der Befragten gesprochen wird. Mit klarem Abstand folgten Französisch (19 Prozent), Deutsch (10 Prozent) und Spanisch (7 Prozent).

Eine zweite Fremdsprache beherrschen laut Umfrage 26 Prozent, eine dritte nur acht Prozent. Am wenigsten überzeugt von der Notwendigkeit von Fremdsprachenkenntnissen erwiesen sich die Deutschen: Hier meinten nur 64 Prozent, dass jeder Europäer eine andere als nur die eigene Sprache beherrschen sollte.

Im EU-Durchschnitt fanden das 71 Prozent der Befragten. 47 Prozent erklärten, die geplante EU-Erweiterung dürfe nicht dazu führen, dass für die Kommunikation eine einzige gemeinsame Sprache gewählt werde.

Der Generalsekretär des in Straßburg ansässigen Europarats, der Österreicher Walter Schwimmer, verwies auf die Bedeutung der Sprachen in einer zunehmend multikulturellen Gesellschaft. Sprachkenntnisse seien nicht nur eine Voraussetzung für Mobilität, sondern förderten auch Toleranz und Verständnis unter den Menschen.

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