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Eurokrise : OECD drängt EZB zu noch laxerer Geldpolitik

Die OECD drängt die EZB dazu, bei Bedarf mehr Geld in den Markt zu pumpen. Europa könne sich ein Beispiel an Japan nehmen. Auch bei der Bekämpfung der Rekordarbeitslosigkeit könnten europäische Regierungen noch viel mehr tun.

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Die OECD drängt die EZB zu einer lascheren Geldpolitik.
Die OECD drängt die EZB zu einer lascheren Geldpolitik.Foto: dpa

Die Industrieländer-Organisation OECD stellt sich hinter die lockere Geldpolitik vieler Zentralbanken und drängt auch die Europäische Zentralbank (EZB), mehr zu tun. Sollte sich die wirtschaftliche Lage in Europa nicht bessern, „muss auch die EZB bereit sein, eine noch aktivere Rolle zu spielen“, sagte OECD-Generalsekretär Angel Gurría dem Berliner „Tagesspiegel“.

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung mit 34 Mitgliedsländern warnte davor, die derzeit sehr aggressive Geldpolitik vieler Zentralbanken zu verteufeln. „Die USA, Großbritannien oder eben Japan nutzen alle verfügbaren Instrumente, um wieder auf einen Wachstumspfad zu kommen. Davon wird jeder etwas haben“, meinte Gurría. „Wenn diese Länder die Wende schaffen, werden sie Waren in aller Welt bestellen, dann geht es wieder bergauf.“  Besonders die Politik Japans steht im Fokus. Gurría zeigte Verständnis für die Schwächung des Yen. In vielen Ländern gebe es die Kombination von lockerer Geldpolitik und harter Fiskalpolitik. „Japan macht es anders und kombiniert eine lockere Geldpolitik mit einer lockeren Fiskalpolitik. Das ist einen Versuch wert“, befand der Mexikaner. Dies sei „spannend“. Allerdings sei der Einsatz sehr hoch. „Es steht viel auf dem Spiel.“

Angesichts der Rekordarbeitslosigkeit in Europa forderte der OECD-Chef eine aktivere Rolle der Regierungen. „Paradox“ sei die Kombination von Fachkräftemangel einerseits und steigender Langzeitarbeitslosigkeit andererseits. „Das zeigt, dass es im Bildungssystem massive Probleme gibt.“ Er forderte: „Für den Übergang brauchen wir Beschäftigungs- und Qualifikationsinitiativen, die dazu führen, das Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt zusammenkommen.“ Dann müsse es um die Strukturen gehen. Hier könnten viele Krisen-Länder von Deutschland lernen - „bei der Ausbildung, beim lebenslangen Lernen und beim Umgang zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften. Hier sind die Deutschen besonders gut.

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