Europa : Anti-jüdische Ansichten weit verbreitet

Viele Europäer haben laut einer Studie der Anti-Defamation League weiterhin "klassische" anti-jüdische Ansichten und Vorurteile. Solche Einstellungen könnten Antisemitismus und neue Gewalt gegen Juden zur Folge haben.

Jerusalem - Die Ergebnisse der Studie, für die Menschen in Deutschland, Frankreich, Italien, Polen und Spanien befragt wurden, seien "sehr Besorgnis erregend", sagte Abraham Foxman, Vorsitzender der US-Organisation, die sich gegen Diskriminierung und Diffamierung von Juden einsetzt.

Eine Mehrheit der insgesamt 2714 Befragten - auch in Deutschland - glaubte, dass Juden loyaler Israel gegenüber eingestellt sind als ihrem Heimatland und mehr als 40 Prozent meinten, Juden hätten in der Wirtschaft "zu viel Macht". Ein großer Anteil der Umfrageteilnehmer meinte, dass Juden "zu viel darüber sprechen, was ihnen während des Holocaust geschehen ist". In Polen glaubten dies 48 Prozent, in Deutschland, Spanien und Italien 45 Prozent und in Frankreich 40 Prozent der Befragten.

Vorbehalte in Polen besonders stark

Insgesamt sahen 20 Prozent Juden als verantwortlich für den Tod von Jesus Christus, in Deutschland allein waren es 13 Prozent. Die Studie habe die stärksten anti-jüdischen Vorbehalte bei Polen und Spaniern, die wenigsten dagegen bei Deutschen und Franzosen gefunden, sagte Foxman.

In Deutschland glaubten 44 Prozent, dass Gewalt gegen Juden in Europa Ergebnis anti-jüdischer Gefühle ist, während 24 Prozent anti-israelische Gefühle als Hintergrund sahen. Vor zwei Jahren war die Tendenz noch umgekehrt: 27 Prozent sahen anti-jüdische und 43 Prozent anti-israelische Einstellungen als Erklärung. 72 Prozent der Befragten in Deutschland waren überzeugt, dass die deutsche Regierung genug für die Sicherheit jüdischer Mitbürger unternimmt.

Deutschland sei das einzige untersuchte Land, in dem "traditionelle anti-semitische Stereotypen" in den letzten zwei Jahren nicht angestiegen sind, sagte Foxman. Die einzelnen Regierungen und die Europäische Union müssten gezielt gegen solche Vorbehalte kämpfen und "Anti-Semitismus in ihren Gesellschaften als inakzeptabel brandmarken", forderte Foxman. (tso/dpa)

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