Europa : Konsum harter Drogen nimmt zu

Stündlich stirbt ein junger Mensch in Europa an einer Überdosis Drogen. Besonders beliebt ist die Modedroge Kokain, aber vor allem Jüngere greifen nun auch vermehrt zum Heroin.

Brüssel - Die Zahl der Drogentoten nimmt in Europa wieder zu. „Jede Stunde stirbt in Europa ein junger Mensch an einer Überdosis Drogen“, berichtete der für die EU-Innenpolitik zuständige Kommissar Jacques Barrot am Donnerstag in Brüssel. Jedes Jahr sterben in der EU fast 8000 Drogenabhängige an den Folgen ihrer Sucht, stellt die EU-Drogenbeobachtungsstelle in ihrem Jahresbericht fest, der am Donnerstag in Brüssel vorgestellt wurde.

Der Drogenkonsum in Europa befinde sich derzeit auf einem historischen Höchststand, berichtete Wolfgang Götz, der Direktor der EU-Einrichtung. Gegenwärtig nehmen in Europa 12 Millionen Menschen zwischen 15 und 64 Jahren die Modedroge Kokain. 11 Millionen sind von Amphetaminen abhängig und 9,5 Millionen suchen den Kick mit Ecstasy. Beunruhigend sei nicht nur, dass immer mehr Kokain konsumiert werde, sondern auch, dass immer jüngere Menschen zum Heroin greifen. Zum ersten Mal seit Jahren ist das Durchschnittsalter der Heroinabhängigen wieder gesunken. Vor allem die neu auftauchenden synthetischen Opioide wie Fentanyl machen Ärzten und Sozialarbeitern Sorgen. Sie seien noch viel stärker und gefährlicher als Heroin.

Opium als Einnahmequelle

Im vergangenen Jahr sei die Opiumproduktion weltweit um mehr als 30 Prozent auf rund 8870 Tonnen gestiegen, berichtete der Chef der EU-Beobachtungsstelle Wolfgang Götz. Fast die ganze Weltproduktion an Opium komme aus Afghanistan, wo die Ernte 2007 ein Rekordhoch erreicht habe. Der Drogenexperte kritisierte, dass es bisher nicht gelungen sei, den afghanischen Bauern, die vom Schlafmohnanbau leben, eine alternative Einnahmequelle zu erschließen.

Nach wie vor ist die Infektionsgefahr unter den Süchtigen, die ihre Droge spritzen, sehr hoch. Während die Infizierung durch HIV jedoch inzwischen spürbar zurückgegangen ist, nimmt die Infektion durch Hepatitis-C weiter zu. Dramatisch angestiegen ist in den vergangenen fünf Jahren auch die Zahl der Drogendelikte – durchschnittlich um 36 Prozent. tog

» Mehr Politik? Jetzt Tagesspiegel lesen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben