Europa und die Spesen : Große Abrechnung in Großbritannien

Jetzt auch noch Pornofilme zum Wohle des Königsreich. Helmut Schümann über Politiker-Rücktritte auf der Insel.

Helmut Schümann

Nur mal schnell zur Erinnerung, was alles dem Wohle Englands dient: Hundefutter, Klobürsten, Slipeinlagen, Badehäuschen für die Enten auf dem heimischen See, Handwerker, die Glühbirnen auswechseln (das kann schließlich nicht jeder), Pferdemist, Handwerker, die die Maulwurfshügel auf dem heimischen Landsitz neben dem See plätten (das kann schließlich auch nicht jeder), Rasenmäher und ihre Reparatur, weil sie möglicherweise ihre Messer zu oft in unsachgemäß geplättete Maulwurfshügel gepflügt haben, Zweitwohnsitze, zweite Zweitwohnsitze, dritte Zweitwohnsitze nebst deren Instandsetzung und -haltung – das alles und noch viel mehr haben Großbritanniens Abgeordnete als Spesen zum Wohle Englands abgerechnet.

Seit gestern wissen wir, dass auch Pornofilme zu den Gütern gehören, die zum Wohle Englands konsumiert werden, also quasi konsumiert werden müssen, und somit auf die Spesenabrechnung gehören. Besser, nicht gehören, weil Innenministerin Jacqui Smith nun zurücktreten will. Sie hatte die Pornofilme abgerechnet, die sich ihr Mann angeschaut hat.

Nicht, dass das jetzt etwas Neues wäre. Dennoch, wie jämmerlich ist das denn? Pornofilme abrechnen, die sich Mr. Smith angeschaut hat. Haben Mr. und Mrs. Smith keine Kinder, zumindest in der Nachbarschaft, die ihnen erklären können, wie sie die Filmchen kostenlos aus dem Internet runterladen können? Neu ist nur der angekündigte Rücktritt und neu ist, dass Jacqui Smith bei den Parlamentswahlen im Herbst erneut kandidieren will. Zum Wohle Englands. Man würde doch zu gerne die Begründung lesen, die Mrs. Smith unter ihren Spesenantrag geliefert hat. Irgendetwas in die Richtung ihrer Vielbeschäftigung als Innenministerin zum Wohle Englands vielleicht, wegen der ihr Gatte zu vereinsamen drohte.

Gut möglich, dass auch Finanzminister Alistair Darling noch vor der Wahl zurücktritt. Oder Verkehrsminister Geoff Hoon. Die Herren hatten die Kosten für die Zweitwohnung abgerechnet und die Kosten für eine zweite Zweitwohnung. Man muss aber fairerweise erwähnen, dass sich die beiden jetzt schon nach nur ein paar Monaten entschuldigt haben und sogar Rückzahlungen ankündigten. Es ist aber auch denkbar, dass Britannien langsam die Politiker ausgehen. Ganz sicher aber ist, dass England am Donnerstag zur Europawahl an die Urne schreitet. Und ganz sicher ist auch, dass es dabei zu Abrechnungen kommen wird.

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