Politik : Europäer lassen sich bei der Suche nach Atomendlager Zeit

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Berlin/Brüssel – Die EUEnergiekommissarin, Loyola de Palacio, hätte sich am Wochenende nicht unbedingt mit dem deutschen Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) anlegen müssen. Sie hätte auch jedem anderen Umweltminister der EU vorwerfen können, er wolle ihr Konzept für Atomendlager boykottieren. Die Kommissarin hatte Trittin im „Focus“ angegriffen: „Mit seinem Widerstand verhindert der Deutsche mehr Sicherheit zum Nutzen der Bürger in ganz Europa.“ Allerdings hatte die EU-Umweltministerkonferenz schon am 28. Juni ihren Plan, dass alle EU-Staaten bis 2008 einen Standort für ein atomares Endlager benennen müssen, abgelehnt.

Der Grund dafür ist einfach: Nirgendwo auf der Welt gibt es bisher ein Endlager für hochradioaktive Abfälle. Auch in der EU diskutiert lediglich Finnland über einen möglichen Standort für ein solches Endlager. Alle anderen lassen sich Zeit. Einmal, weil es überall, wo ein Endlager geplant wird, Widerstand der Bevölkerung gibt. Deshalb hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass es ohne Bürgerbeteiligung nicht geht. Außerdem hängt der Standort vom jeweiligen Konzept ab. In Deutschland, wo die Atomkraft ausläuft, muss nur ein Endlager für alle radioaktiven Abfälle gefunden werden. Die Bundesregierung will nicht nur hoch radioaktive Abfälle in einer tiefen geologischen Schicht vergraben, sondern auch den mittel- und leicht-strahlenden Müll dort unterbringen. Großbritannien dagegen will sich die Chance erhalten, zu einem späteren Zeitpunkt eine geniale Lösung zu finden. Der strahlende Abfall soll also wieder zurückgeholt werden können. Außerdem wollen nicht alle auf die Atomkraft verzichten, was wiederum ein anderes, womöglich länger offenes Endlager erfordert. Deshalb kann und will sich kaum ein EU-Staat bis 2008 auf einen Endlager-Standort festlegen. Außerdem wird Loyola de Palacio im Oktober ohnehin ihren Posten räumen. Dann dürfte diese Debatte beendet sein. deh

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