Politik : Europäische Sozialdemokraten: "Peace-Attac"

Ulrike Scheffer

Es gibt sie noch, die echten - linken - Sozialdemokraten. Erkki Tuomioja, seines Zeichens Sozialdemokrat und Außenminister Finnlands, ist so einer. Am Revers seines Anzugs trägt der 57-Jährige das "Peace"-Zeichen, ein Relikt der untergegangenen Friedensbewegung. Tuomioja unterstützt auch eine internationale Bewegung mit dem kämpferischen Namen "Attac", die sich der ungeregelten Gobalisierung der Weltwirtschaft widersetzt. Beim zweitätigen Kongress der Sozialdemokratischen Partei Europas (SPE) fühlt sich der frühere Journalist dennoch nicht als Außenseiter. "Nach dreißig Jahren stehen wir vor einem neuen Paradigmenwechsel in der Politik. Die alten Werte sind wieder im Kommen", ist sich Tuomioja sicher.

In der Nachkriegszeit, so erklärt er seine These, hätten klassisch sozialdemokratische Ideen die Politik dominiert. "Egal, welche Regierung an der Macht war, soziale Themen standen immer ganz oben auf der politischen Agenda." Einen ersten Paradigmenwechsel habe es dann im Verlauf der siebziger Jahre gegeben, so der Finne. Damals seien die sozialen Belange allmählich in den Hintergrund getreten und der Markt in den Mittelpunkt des Interesses gerückt. "Das Ergebnis sehen wir heute: Das Wohlstandsgefälle in vielen Ländern ist größer denn je, der Graben zwischen Industrie- und Entwicklungsländern geradezu eklatant."

Die Menschen, so ist Tuomioja überzeugt, seien nicht gewillt, diese Entwicklung weiter mitzutragen. "Sie beginnen, sich wieder auf kollektive Werte zu besinnen", so der finnische Außenminister. "Attac" sei dafür ein gutes Beispiel. Die 1998 in Frankreich gegründete Bewegung hat inzwischen mehr als 30 000 zahlende Mitglieder. Auch der französische Bauernführer und Volksheld José Bové gehört dazu. Und wo immer sich die internationale Finanzwelt trifft, ob in Seattle, Davos oder anderswo, "Attac"-Anhänger sind immer - mit lautstarkem Protest - dabei. Errki Tuomioja: "Früher oder später wird die Politik darauf reagieren müssen, denn wir werden immer mehr."

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