• Europäische Zentralbank (EZB): Larry Fink: Warum Negativzinsen das Gegenteil von dem erreichen, was sie sollen
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Europäische Zentralbank (EZB) : Larry Fink: Warum Negativzinsen das Gegenteil von dem erreichen, was sie sollen

Larry Fink, Chef von BlackRock, der größten Fondsgesellschaft der Welt, hat erklärt, warum immer weiter sinkende Zinsen den Euro steigen lassen, die Inflation weiter sinken lassen und das Wachstum hemmen - genau das Gegenteil, was beabsichtigt ist.

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Zeichen an der Wand. Ein «Euro-Zeichen» wird am 12.03.2016 zum Lichtspektakel «Luminale» in Frankfurt am Main auf die Fassade der Europäischen Zentralbank (EZB) projiziert. Foto: dpa
Zeichen an der Wand. Ein «Euro-Zeichen» wird am 12.03.2016 zum Lichtspektakel «Luminale» in Frankfurt am Main auf die Fassade der...Foto: dpa

Immer weiter sinkende Zinsen, bis hin zu Negativzinsen für Banken, die ihr Geld über Nacht bei der EZB parken wollen, sollen eigentlich die Kreditvergabe, den Konsum und das Wirtschaftswachstum erhöhen und durch eine sinkende Währung Exporte ankurbeln. Aber das Gegenteil passiert.

So ist der Euro gegenüber dem Dollar in den vergangenen Wochen kontinuierlich gestiegen, von 1,05 US-Dollar Anfang Dezember auf 1,14 Dollar vergangene Woche. Beim japanischen Yen gibt es eine ähnliche Entwicklung, seit dort ebenfalls negative Zinsen eingeführt wurden. Zudem sinkt die Inflation weiter und der Internationale Währungsfonds hat die Wachstumszahlen der Weltwirtschaft gerade nach unten revidiert. Es passiert also genau das Gegenteil von dem, was eigentlich passieren sollte.

Warum? Larry Fink, Chef von BlackRock, der größten Fondsgesellschaft der Welt, hat jetzt eine Erklärung dafür geliefert, wie die "Financial Times" berichtet. Demnach ruinieren sinkende Zinsen den Sparerfolg, mit dem Menschen ihre Rente später aufbessern wollen. Das heißt, dass die Menschen mehr sparen müssen, um die immer niedrigeren Zinsen auszugleichen. Das wiederum heißt, dass sie auf Konsum verzichten und stattdessen mehr und früher sparen müssen. Ein 35-Jähriger müsse drei Mal so viel für das Alter sparen, wenn der Zins bei zwei Prozent liegt, statt bei fünf Prozent. "Dieser Zusammenhang hat tiefe Implikationen für das Wachstum. Konsumenten, die für die Rente sparen, müssen ihren Konsum reduzieren. Eine Geldpolitik, die eigentlich Wachstum erzielen sollte, riskiert stattdessen, den Konsum zu reduzieren", wird Fink zitiert.

Ein zusätzliches Risiko ist das Horten von Geld

Ein zusätzliches Risiko stellt das Horten von Geld dar. Wenn die Menschen das Geld von der Bank abheben und in den Tresor legen, dann zirkuliert dieses Geld nicht mehr im Kreditkreislauf. Die Folge: Das Wachstum sinkt. Tresorhersteller melden in jüngster Zeit Absatzerfolge. In der Schweiz steigt die Menge von gedrucktem Geld, das die Menschen immer mehr von den Banken abheben.

Die Frage ist, was als nächstes kommt, wenn die Notenbanken erkennen, dass sie mit ihrer ultralockeren Geldpolitik nicht mehr weiterkommen. Die derzeitige Debatte um "Helikoptergeld" ist derzeit zwar noch hypothetisch, aber das waren die drastischen Maßnahmen der EZB in den vergangenen Jahren auch. Wer hätte je gedacht, dass es einmal zu negativen Zinsen kommen würde. "Helikoptergeld" ist ein Konzept, bei dem die Notenbank Geld druckt und verschenkt, sei es an den Staat, der damit Investitionen finanziert oder Schulden abbaut, oder an die Bürger, die zum Beispiel jeder 5000 Euro bekommen, damit die Konjunktur angekurbelt wird.

(Einen ausführlichen Bericht, was das Konzept "Helikoptergeld" bedeutet, und wie sich die Debatte entwickelt, lesen Sie hier.)

Das Thema, ob negative Zinsen mehr Schaden als Nutzen bringen, wird auch die Frühjahrstagung von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank in dieser Woche in Washington beschäftigen.

Was Sparer tun können

Die Frage ist, was Sparer tun können, wenn sie für ihr Alter vorsorgen wollen. Einerseits wollen sie ihr Geld sicher anlegen, andererseits brauchen sie höhere Zinsen, als Tagesgeldkonten und Staatsanleihen abwerfen. Eine Möglichkeit besteht darin, schrittweise mit Beträgen ab 2000 Euro in den Aktienmarkt einzusteigen und dabei auf den breiten Markt zu setzen. Das kann mit sogenannten passiven Indexfonds geschehen, sogenannten ETFs, auf breite Marktindizes wie den Dax, den dynamischeren Mdax oder auf den S&P 500, den Index der 500 größten US-Aktiengesellschaften. Wer nicht mehr als die Hälfte seiner Ersparnisse auf Aktien setzt, hat einerseits eine gewisse Sicherheit, gleichzeitig kann er an den langfristigen Ertragsvorteilen des Aktienmarkts teilhaben, wenn er 20 oder mehr Jahre durchhalten kann.

(Einen ausführlichen Bericht, wie sich der Anleger seine Ersparnisse mit einem "Rebalancing" des Portfolios vor Crashs und Börsenwirren schützen und trotzdem in Aktien investieren kann, um die niedrigen Zinsen zu umgehen, lesen Sie hier.)

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