Politik : Europäische Zentralbank: In der Zwickmühle (Kommentar)

bfr

Die Europäische Zentralbank ist nicht zu beneiden. Sie wird kritisiert wegen des schwachen Euros und einer angeblich schlechten Kommunikation mit der Öffentlichkeit, aber sie steckt auch sachlich in einer Zwickmühle. Die für ihre eigenen Maßstäbe zu hohe Inflationsrate von 2,4 Prozent hat ihr keine Wahl gelassen: Sie zog die Zinsschraube noch einmal an. Führende Notenbanker hatten die Öffentlichkeit in den jüngsten Tagen auf den Schritt vorbereitet. Zudem wird an den Finanzmärkten argumentiert, der Euro sei auch wegen des hohen Zinsabstands zu den USA so schwach. Die Euroschwäche wiederum verteuert die Importe, auch von Rohstoffen wie Öl, und ist damit eine der Ursachen für die steigende Inflation. Auf der anderen Seite darf die EZB aber auch nicht den Eindruck riskieren, mit einer zu starken Bremsaktion den Konjunkturaufschwung im Euroraum zu gefährden. Denn dies würde den Euro weiter schwächen. Diese widersprüchlichen Ziele - Inflation bekämpfen, Wachstum unterstützen, Euro stärken - muss sie zugleich verfolgen. Deshalb der vorsichtige Zinsschritt um nur einen viertel Prozentpunkt. Keine Zinsanhebung hätte den Anschein erweckt, die Notenbanker lassen die Dinge treiben. Ein großer Zinsschritt um einen halben Prozentpunkt wäre als schädlich für die Konjunktur interpretiert worden und hätte den Euro dann eher geschwächt als gestärkt.

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