Politik : Europapolitik: Chirac regiert mit

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Der Rang, den die Europapolitik in Frankreich einnimmt, lässt sich vordergründig an der Tatsache ablesen, dass sich das französische Außenministerium einen eigenen Europaminister leistet: Pierre Moscovici, von 1994 bis 1997 selbst Abgeordneter im Europaparlament. Als "Ministre délégué", als beigeordneter Minister, hat er sein Büro im französischen Außenministerium und ist seinem Amtschef Hubert Védrine nachgeordnet. Obwohl der Sozialist Moscovici die "Europaangelegenheiten" im Titel führt, hält das seine Parteifreunde Védrine und Premierminister Lionel Jospin nicht davon ab, in wichtigen Europa-Entscheidungen das Wort zu führen. Für Staatschef Jacques Chirac bietet das Amt des Europaministers ohnehin keinen Anlass, sich aus der Europapolitik herauszuhalten - betrachtet doch der Präsident die Außenpolitik als seine ureigene Domäne. Während Frankreichs Chefdiplomat Védrine öfter schon einmal in Brüssel die Pariser Interessen vertritt, ist Moscovici in der europäischen Hauptstadt kaum zu sehen. Auch vor dem letzten EU-Gipfel in Barcelona warf er sich nicht für den staatlichen Energieriesen "Electricité de France" in die Bresche, um die weit gehenden Liberalisierungspläne der Brüsseler EU-Kommission zu vereiteln. Das taten Chirac und Jospin.

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