Politik : Europas Forschung droht der Stillstand – und China holt auf

Thomas Gack

Brüssel - China ist auf dem besten Wege, durch Investitionen in Forschung und Entwicklung noch in diesem Jahrzehnt Europa zu überholen. Während auch die USA und Japan einen deutlich größeren Teil ihres Wohlstands in die technologische Entwicklung investieren, sind die europäischen Forschungsausgaben gemessen and der Wirtschaftsleistung seit dem Jahr 2000 zurückgegangen. Europas Forschung droht der Stillstand.

Die EU-Kommission warnte am Dienstag davor, dass Europa deshalb im Wettbewerb mit Amerika und Asien in den nächsten Jahren weiter an Boden verlieren könnte. Eine von Brüssel in Auftrag gegebene Studie über die Lage von Forschung und Entwicklung in Europa kommt zu dem Schluss, dass in den europäischen Labors, Universitäten und Forschungseinrichtungen Stagnation herrsche, weil Europa immer weniger Geld in seine Zukunft investiere. „Wir müssen dieses Alarmsignal beachten“, sagte EU-Forschungskommissar Janez Potocnik am Dienstag in Brüssel. „Wenn sich die Tendenz fortsetzt, wird Europa seine Chance verpassen.“

Während China für Forschung und technische Entwicklung Jahr für Jahr zehn Prozent mehr Geld ausgibt, Japan in den vergangenen Jahren 3,2 Prozent seines Bruttoinlandprodukts (BIP) und die USA 2,6 Prozent des BIP in die Zukunft investierten, geben die Europäer nur 1,9 Prozent ihres BIP dafür aus. Das liegt vor allem daran, dass die Wirtschaft in der EU immer weniger Geld für Forschung und Entwicklung bereitstellt. 2002 war die Wachstumsrate der privaten Entwicklungsinvestitionen noch geringer als das ohnehin schwache Wirtschaftswachstum. Die Folgen zeigen sich längst: Europa wird immer weniger attraktiv als Forschungsstandort. Europäische Unternehmen investieren in US-Forschungseinrichtungen weit mehr als US-Unternehmen in die Forschung in Europa.

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