EUROPAS MEINUNG : Angst und Respekt

Europas Zeitungen haben Angela Merkel nach ihrem Wahlsieg Bewunderung gezollt. Manche befürchten, andere erhoffen jetzt neue Initiativen in der Europapolitik. Der britische „Guardian“ sieht im Wahlsieg der Bundeskanzlerin eine historische Dimension – und bemüht den Vergleich zur „Eisernen Lady“ Margaret Thatcher: „Das war die Botschaft der deutschen Wähler (...), als sich Angela Merkel (...) einen beeindruckenden persönlichen Triumph an den Wahlurnen sicherte, der ihren unangefochtenen Anspruch als dominierende politische Figur im krisengeschüttelten Europa untermauert.“ Die italienische Tageszeitung „La Repubblica“ sieht im Sieg der Kanzlerin eine „Ovation der Nation für ihren Sieg in der europäischen Krise. Es ist ein Triumph, die Rückkehr auf das Schlachtfeld, wo sie Können und Mut unter Beweis gestellt hat.“ Die Krise habe Premierminister und Präsidenten hinweggerafft – Merkel sei geblieben: „Angela, die Große“. Weniger euphorisch blicken die „Dernières Nouvelles d’Alsace“ aus Straßburg nach Deutschland: „Pech für die südlichen Länder der Euro-Zone, die darauf gehofft haben, dass die strenge Sparpolitik abgeschwächt wird. Und Pech auch für Frankreich, dessen Stimme nicht mehr zählt und die erst wieder hörbar wird, wenn sich die Lage der französischen Wirtschaft bessert.“ Kritisch kommentiert auch die kommunistische „L’Humanité“: „Die Bestätigung von Angela Merkel im Kanzleramt wird die Übel noch verschlimmern, unter denen die Europäische Union leidet. (...) Gestärkt durch dieses Ergebnis wird die Kanzlerin unnachgiebig bleiben, wenn die Bevölkerungen sich nicht einmischen.“ Für die Athener „Ta Nea“ bedeutet das Ergebnis der Bundestagswahl einen „Triumph für die Königin des Spardiktats. „Europa wird Merkelland“, schlussfolgert die größte griechische Zeitung. Der Wiener „Standard“ bezweifelt, dass Merkel Deutschland und Europa prägen wird. Er sieht in ihrem Wahlsieg „einen Triumph des Mittelmaßes“. Merkel habe den Deutschen Stabilität gebracht, mehr aber auch nicht. „De Telegraaf“ aus Amsterdam hofft hingegen, dass Deutschland Europas Wirtschaft stärkt: „Die Deutschen profitieren von rechtzeitig eingeleiteten Reformen und nehmen dabei Europa ins Schlepptau.“ Für den gesamten Kontinent sei die Bestätigung der deutschen Bundeskanzlerin daher „eine gute Nachricht“. Henning Onken

0 Kommentare

Neuester Kommentar