Politik : Europas neue Gesichter

Die EU wächst um 75 Millionen Bürger. Zehn von ihnen schildern, was die Union von ihrem Land erwarten kann

Albrecht Meier

An diesem Samstag wird in Dublin feierlich die EU-Erweiterung besiegelt: Estland, Lettland, Litauen, Polen, Tschechien, Ungarn, Slowenien, die Slowakei, Malta und Zypern werden Mitglieder der Europäischen Union. Damit wächst nicht nur der gemeinsame Markt der EU um 75 Millionen neue Konsumenten. Mit der größten Erweiterungsrunde in der europäischen Einigungsgeschichte verändert sich auch der Charakter der EU.

An die Gesichter der zehn Männer und Frauen, die ab Anfang Mai die neuen Mitgliedsstaaten in der EU-Kommission vertreten, hat sich der Brüsseler Betrieb bereits gewöhnt. Für die Öffentlichkeit sind die zehn neuen EU-Kommissare, die auf dieser Doppelseite porträtiert werden, allerdings noch weitgehend unbekannt. Als Mitglieder der EU-Kommission sind sie theoretisch dem europäischen Gemeinwohl verpflichtet – was sie aber kaum davon abhalten wird, in Brüssel auch für die Interessen ihrer Länder zu kämpfen. Dass es hartnäckig sein kann, hat beispielsweise schon das neue EU-Mitglied Polen bei den zähen Verhandlungen um die künftige EU-Verfassung bewiesen.

Das Beispiel der EU-Verfassung zeigt, dass das neue Europa schon Realität ist: Bei den Verhandlungen um die Verfassung sind die Staats- und Regierungschefs aus den zehn neuen Mitgliedstaaten schon seit Monaten dabei. Und wenn sich dann die Gipfelteilnehmer zum traditionellen Familienfoto versammeln, müssen die Vertreter von insgesamt 25 Staaten aufs Bild. Die EU wird größer, aber auch unübersichtlicher. Auch die Diskussion um EU-weite Mindeststeuersätze zeigt, dass die EU-Erweiterung die deutsche Politik schon vor dem Stichtag des 1. Mai eingeholt hat: Vor allem in der Slowakei gelten geringe Steuersätze – ein Vorteil, den Firmen in der alten EU schon lange ausnutzen.

Wer die Europapolitik von morgen verstehen will, muss aber auch einen Schritt von der Tagespolitik zurücktreten. Das politische Geschäft in Brüssel wird von nun an auch von den Mentalitäten und der Geschichte geprägt sein, die die zehn „Neuen“ in die Europäische einbringen. Auf diesen beiden Seiten beschreiben zehn Männer und Frauen, die am Samstag EU-Bürger werden, was die Stärken, gelegentlich auch Schwächen ihrer Landsleute sind. Viele von ihnen haben sich auch schon in Deutschland einen Namen gemacht – sei es, weil ihre Bücher hierzulande erschienen sind oder weil sie wie der maltesische Nationalspieler Michael Mifsud in der Fußball-Bundesliga gespielt haben. Einer von den zehn neuen EU-Bürgern, die hier für ihr Land sprechen, hat auch eine Mehrfach-Karriere zwischen Sport und Politik hinter sich: Der Pole Grzegorz Lato ist noch als Torschützenkönig bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1974 in Deutschland in Erinnerung – heute sitzt er in Warschau im Senat seines Landes.

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