Politik : Europas Zukunft

Die Gedanken von Außenminister Frank-Walter Steinmeier und dem Präsidenten der Europäischen Kommission José Manuel Barroso zu der Bedeutung Europas für die Bürger. Sie verstehen die fünfzigjährige Europäische Union als Erfolgsgeschichte, die die Teilung überwunden und einen andauernden Frieden gebracht hat.

Steinmeier
Außenminister Steinmeier und EU-Kommissions-Präsident Barroso gestalten die Zukunft Europas. -Foto: dpa

Frank-Walter Steinmeier

Wir haben in den vergangenen fünf Jahrzehnten in Europa gemeinsam viel erreicht. Dazu gehören vor allem Frieden, Stabilität und Wohlstand. Dazu gehört auch die Überwindung der Teilung des Kontinents. Doch Europa ist weit mehr als eine geografische Bezeichnung, ein Wirtschaftraum oder eine Ansammlung von Regelungen und Absichtserklärungen. Europa ist eine lebendige Gemeinschaft von Bürgerinnen und Bürgern aus inzwischen 27 Mitgliedstaaten, deren gemeinsames Lebensgefühl geprägt wird von Toleranz gegenüber Neuem und Anderem, von der Einheit in Vielfalt und von gegenseitiger Solidarität. Dieser Kernbestand unserer Identität eint Europa und bestärkt uns im Bestreben, die fünfzigjährige Erfolgsgeschichte der Europäischen Union fortzuschreiben.

Der Autor, Jahrgang 1956, ist seit 2005 Bundesminister des Auswärtigen


José Manuel Barroso

 In den letzten fünfzig Jahren ist die Europäische Union so gewachsen, dass sie fast alle Aspekte des europäischen Alltags berührt. Unser Essen, unsere Umwelt, die Münzen in unseren Taschen: Die Europäische Union hat sich in vielen Bereichen zu einer positiven Kraft entwickelt.

Europa bedeutet jedem Europäer etwas, unabhängig von Alter, Nationalität oder Hintergrund. Die eine Generation erinnert sich vielleicht daran, wie die Europäische Union Freiheit und Demokratie auf dem europäischen Kontinent konsolidiert hat. Eine andere denkt möglicherweise an die aktuellere Entwicklung der EU – an eine globale Kraft, die neue Politikbereiche wie Sicherheit und globale Armutsbekämpfung in Angriff nimmt. Jüngere Generationen schauen vielleicht nach vorn auf das, was die EU heute tut, um im Kampf gegen den Klimawandel voranzugehen und ein nachhaltiges Wachstum für die Zukunft zu fördern.

Aber auch wenn die Menschen sich aus unterschiedlichen Gründen für die Europäische Union interessieren, so gibt es doch eine Reihe fundamentaler Überzeugungen und Grundsätze, die sowohl die Vergangenheit als auch die Zukunft dieses europäischen Abenteuers kennzeichnen. Sie liefern die Grundlage für Europa. Demokratie, Freiheit, Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit, Achtung der Rechte des Einzelnen: Überall, wo Europa tätig wird, bleiben sie konstant. Das Gefühl eines gemeinsamen Schicksals, gegenseitiger Respekt und Verständnis füreinander – auf der Basis eines über Jahrhunderte gewachsenen europäischen Erbes – untermauern den Erfolg der Europäischen Union. Das Ergebnis ist ein Gefühl der Solidarität und die Überzeugung, dass wir gemeinsam mehr erzielen können, als wir jemals getrennt erreichen werden: eine Botschaft, die bei allen Europäern Anklang finden dürfte, egal welchen Alters.

Der Autor, Jahrgang 1956, ist seit 2004 Präsident der Europäischen Kommission. Übersetzt aus dem Portugiesischen von Karin Ayche.

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