Europawahl 2014 : Schulz schließt Spitzenkandidatur nicht aus

EU-Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD) stellt sein Buch "Der gefesselte Riese" vor - es ist auch ein Statement in eigener Sache und zielt nicht zuletzt auf den Europawahlkampf 2014.

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EU-Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD) könnte 2014 die Spitzenkandidatur für Europas Sozialdemokraten übernehmen.
EU-Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD) könnte 2014 die Spitzenkandidatur für Europas Sozialdemokraten übernehmen.Foto: rtr

Martin Schulz verlässt in diesen Tagen häufiger das „Raumschiff Brüssel“. Am Donnerstagabend war er bei Markus Lanz im ZDF zu Gast, und am Tag darauf im Kulturkaufhaus Dussmann in Berlin. Schulz, der gelernte Buchhändler, geht derzeit als Buchverkäufer auf Reisen, und zwar in eigener Sache. „Der gefesselte Riese. Europas letzte Chance“ – so lautet der dramatisch klingende Titel eines Buches, in dem sich der Präsident des Europaparlaments mit gewohnter Vehemenz für mehr Demokratie, Transparenz, Effizienz und eine Brüsseler Politik einsetzt, die sich aufs Wesentliche konzentriert.

Aber nun kennt das Publikum Schulz nicht nur als „einen sehr hohen Politiker“, wie der Gast bei der Buchvorstellung in Berlin ehrfurchtsvoll begrüßt wird. Der 57-Jährige ist auch ein schlagfertiger Parteimann, der möglicherweise einen Karrieresprung anstrebt. „Es ist unverkennbar, dass Sie sich gerade aufstellen in der Europapolitik“, sagt Frank Schirrmacher, Mitherausgeber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, der mit Schulz an diesem Freitag die Thesen des Buchs diskutiert. Im kommenden Jahr finden Europawahlen statt, und die sollen erstmals einen ganz besonderen Touch bekommen: Die großen Parteienfamilien werden EU-weit Spitzenkandidaten aufstellen, die gleichzeitig als Kandidaten für die Nachfolge des scheidenden EU-Kommissionschefs José Manuel Barroso antreten. Bei den Konservativen ist dafür der polnische Ministerpräsident Donald Tusk im Gespräch, während Schulz bei Europas Sozialdemokraten als möglicher Kandidat gilt.

„Ist das Ihr Weg, Herr Schulz?“, fragt Schirrmacher. Und während der SPD-Mann, der seine Karriere als Bürgermeister im nordrhein-westfälischen Würselen begann, gewunden von der Schönheit des Dreiländerecks zwischen Aachen, Lüttich und Maastricht erzählt, überlegt er insgeheim wohl, wie er der Frage am geschicktesten ausweichen kann. Natürlich wäre es taktisch unklug, zu diesem frühen Zeitpunkt, ein gutes Jahr vor der Europawahl, eine Kandidatur bekanntzugeben. Aber dann lässt er sich doch auf das Gedankenspiel ein: Wenn die EU-Bürger bei der Wahl im kommenden Jahr eine Entscheidung treffen müssten zwischen „einem deutschen Kandidaten links und einem polnischen Kandidaten rechts“, sinniert Schulz, dann wäre das schon ein „Hingucker“.

Wenn aber ausgerechnet ein Deutscher für das Amt des Kommissionspräsidenten kandidieren würde, wäre das allerdings auch ein großes Wagnis. Deutschland wird allgemein in vielen anderen Ländern der Euro-Zone für den Sparkurs verantwortlich gemacht – in Griechenland, Italien, sogar in Frankreich. Gerade Schulz kennt die derzeitige Gemütslage vieler Europäer. Deutschland bürge für rund 400 Milliarden Euro im Rahmen der Euro-Rettungsschirme, rechnet er vor. „Aber noch nie war Deutschland außerhalb Deutschlands so unpopulär.“ Ein Motto für den nächsten europäischen Wahlkampf hat Schulz trotz aller offenen Fragen offenbar schon gefunden: „Wir werden Europa nur verteidigen, wenn wir die Bürger, die immer skeptischer werden, wieder zurückgewinnen.“

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